„Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg“
Am 17. Februar gab der Deutsche Tennis Bund (DTB) bekannt, dass ein Nachfolger für Rainer Schüttler gefunden wurde. Der Kapitän der Billie-Jean-King-Cup-Mannschaft war im November 2025 nach dem Abstieg aus der Weltgruppe zurückgetreten. Seinen Posten übernimmt nun Torben Beltz, der seit Dezember 2024 als Chefbundestrainer für die deutschen Damen fungiert. Im DOSB-Interview erläutert der in Itzehoe geborene 49-Jährige, der als Trainer von Angelique Kerber seine größten Erfolge feierte, welche Herausforderungen ihn in der neuen Doppelfunktion erwarten.
DOSB: Torben, herzlichen Glückwunsch zum neuen Amt! Bedeutet die Doppelfunktion in erster Linie doppelte Arbeit oder doppeltes Vergnügen?
Torben Beltz: Ich finde, dass der zusätzliche Posten eine Erweiterung meines bisherigen Jobs darstellt, aber keinesfalls doppelte Arbeit. Ich war auch bislang schon für die Damen zuständig, hatte immer Kontakt zu allen Spielerinnen, war auf den großen nationalen und internationalen Turnieren unterwegs. Insofern sehe ich es als eine logische Weiterentwicklung und eine tolle Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Ich danke dem DTB für das in mich gesetzte Vertrauen.
Warum ist es aus deiner Sicht logisch, beide Ämter auf eine Person zu vereinen? Bei Barbara Rittner war das auch so, Rainer Schüttler dagegen war nicht Chefbundestrainer. Was spricht dafür, was dagegen?
Aus meiner Sicht passt beides sehr gut zueinander. Ich habe eine große Nähe zu den Spielerinnen. Ich weiß, wie sie trainieren und was sie brauchen, um ihre Bestleistung abzurufen. Gleichzeitig kenne ich dank meiner jahrelangen Tätigkeit mit Angie auf der WTA-Tour viele Gegnerinnen sehr gut, was gerade im Billie Jean King Cup sehr wertvoll sein kann. Ich will aber gar nicht werten, ob die Doppelfunktion besser ist als eine Trennung der Ämter. Rainer hat über sechs Jahre tolle Arbeit geleistet, und letztlich müssen sowohl der Verband als auch die betreffenden Personen entscheiden, was die beste Lösung ist. Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich richtig Lust habe, beide Ämter zu vereinen, den Damenbereich nach vorn zu bringen und ein schlagkräftiges neues Team für den Billie Jean King Cup aufzubauen.
Was ändert sich für dich in deinem Arbeitsablauf?
Gar nicht so viel, denn wie schon gesagt war ich auch im vergangenen Jahr viel auf Turnieren unterwegs. In den ersten Wochen bin ich sicherlich etwas mehr auf Reisen, ich versuche, alle Spielerinnen zu besuchen und mit ihnen über die Neuausrichtung zu sprechen. Ich will Feedback sammeln und von ihnen hören, was wir besser machen können und welche Vorstellungen sie haben. Und die Wettkampfwochen, wenn wir im Billie Jean King Cup unterwegs sind, werden sicherlich intensiver. Möglicherweise schaue ich jetzt noch ein wenig mehr auf unser Eliteteam als zuvor, denn das Wichtigste wird jetzt sein, ganz eng an den Spielerinnen zu bleiben.
Die deutschen Tennisdamen sind erstmals seit 2012 aus der Weltgruppe abgestiegen. Seit Jahren hatte sich dieser Niedergang abgezeichnet, nachdem die goldene Generation um Angie Kerber, Andrea Petkovic und Julia Görges abgetreten war. Barbara Rittner hat einige Male die Leistungsbereitschaft der nachfolgenden Generation kritisiert. Wie nimmst du das wahr?
Kritik ist selbstverständlich erlaubt. Wir alle hätten gern ein paar mehr Spielerinnen unter den besten 100 der Welt. Allerdings habe ich bei unserer aktuellen und auch der nächsten Generation gar nicht den Eindruck, dass es an Leistungsbereitschaft fehlt. Um in der Weltspitze mitzuhalten, hast du nur eine Chance, wenn du hart und ausdauernd trainierst, und das nicht nur während der Saison, sondern auch in der Off-Season. Es gibt keine Abkürzung zum Erfolg, das wissen die Mädels alle. Und was sie noch nicht wissen, versuchen wir ihnen zu vermitteln. Allerdings ist das ein Entwicklungsprozess, der Zeit braucht. Diese Geduld haben wir.
Auf wieviel Zeit in der Zweitklassigkeit im Billie Jean King Cup müssen sich denn die deutschen Tennisfans einstellen?
Ich hoffe natürlich, dass unsere Arbeit schon in den kommenden ein, zwei Jahren Früchte trägt. Unser neues Leistungssportkonzept „Gemeinsam! Weltklasse! Entwickeln!“ sieht vor, dass wir 2032 acht bis zehn Spielerinnen in den Top Ten haben. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir einige haben, die schon in der nahen Zukunft diesen Schritt schaffen werden. Wir wissen alle, was dazugehört, aber wir können uns auf eine Reihe an interessanten Spielerinnen freuen. Das Gefühl, dass einige unserer Talente nicht weit vom Topbereich entfernt sind, habe ich auf jeden Fall.
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Die „Sportwörterbuch“-App umfasst über 150 Begriffe in 10 Sprachen aus dem Sportalltag und ist in 17 thematische Kapitel gegliedert. Enthalten sind unter anderem Vokabeln zu Sportgeräten, Sportstätten, Spielaktionen und Erster Hilfe. Damit wird das Verständnis im Trainingsalltag ebenso gestärkt wie die Orientierung im Vereinsleben. Ergänzt wird das Angebot durch kurze Erklärungen zur Frage „Was ist ein Sportverein?“.
Ziel: Zugang zum Vereinssport erleichtern
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Leistung statt Lamentieren: Beharrliche Kämpferin für die Belange des Parasports
Ihre aktive Karriere hat sie zwar vor mittlerweile fast sechseinhalb Jahren beendet, aber wenn am Freitag kommender Woche die Paralympischen Winterspiele in Norditalien eröffnet werden, wird Anna Schaffelhuber trotzdem mittendrin sein. Als TV-Expertin für die ARD berichtet die 33-Jährige aus Cortina d’Ampezzo über das Weltereignis, das sie 2014 in Sotschi zum deutschen Sportstar werden ließ. Fünf Goldmedaillen gewann die Monoski-Athletin damals in Russland. „Es war das Highlight meiner Karriere, auf das ich sehr stolz bin und das mir viele Türen geöffnet hat, aber es war auch eine harte Zeit mit viel Druck und einem immer prall gefüllten Terminkalender“, sagt sie im Rückblick.
Zwölf Jahre danach haben sich zwar einige Lücken im Kalender aufgetan, aber ein weniger erfülltes Leben führt die Bayerin keineswegs. Das liegt einerseits daran, dass ihre beiden Kinder - zwei Jahre und sechs Monate alt - viel Aufmerksamkeit brauchen. Andererseits ist Anna Schaffelhuber, die mit ihrer Eheschließung zwar den Nachnamen Kaiser angenommen hat, aber in der Öffentlichkeit weiterhin den zur Marke gewordenen Namen nutzt, ein Mensch, der sich einbringen möchte. Was dazu führt, dass sie neben ihrem aktuell wegen der Elternzeit ruhenden Beruf als Realschullehrerin für Mathe und Betriebswirtschaftslehre mehrere Ehrenämter ausführt. Und jenes, das den Anlass für diesen Text darstellt, ist die Verpflichtung als Persönliches Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).
Ihr Credo: Chancen ergreifen, wenn sie sich ergeben
Ihren Ursprung hat diese Verbindung vor ungefähr vier Jahren in einer Mail, die bei Anna Schaffelhuber eintraf. „Es war eine Anfrage, ob ich mir vorstellen könne, Persönliches Mitglied zu werden. Da der DOSB nicht mein direkter Dachverband war, sondern ich immer mit dem DBS zu tun hatte, wusste ich weder, was mich erwarten würde, noch, was man von mir erwartet. Aber ich dachte mir, dass ich das auch nicht herausfinden kann, wenn ich es nicht versuche, also habe ich die Chance ergriffen und zugesagt“, erinnert sie sich. Chancen ergreifen, wenn sie sich ergeben; Leistung zeigen anstatt zu lamentieren - all das kannte die von Geburt an inkomplett querschnittgelähmte Topathletin aus ihrer aktiven Karriere. Und mit dieser Einstellung ging sie an die neue Aufgabe im Dachverband des organisierten Sports.
Vier Jahre später ist sich Anna Schaffelhuber über das Fazit, das sie aus ihrem Engagement ziehen soll, noch nicht ganz im Klaren. Zwar habe sie viele Einblicke erhalten und ein anderes Verständnis für Verbandsarbeit entwickelt. „Der DOSB wirkte früher für mich weit weg, wie ein starres Konstrukt. Jetzt sehe ich die vielen Menschen hinter diesem Verband und weiß einzuordnen, welche wichtigen Aufgaben sie für die Entwicklung des Sports übernehmen“, sagt sie. Was ihr allerdings fehle, sei ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer homogenen Gruppe. „Durch die Geburt meiner beiden Kinder war meine erste Amtszeit zugegebenermaßen etwas zerfasert. Aber ich habe mir öfters gewünscht, etwas mehr eingebunden zu werden“, sagt sie. Es fehle dem Gremium eine feste Plattform, ein monatlicher Jour Fixe zum Austausch. „Ein Treffen einmal im Jahr finde ich zu wenig, eine gewisse Kontinuität wäre wichtig.“


