Grüner Weg 1, 27793 Wildeshausen

Vier Spitzenleute bei Frauen und Männern lassen auf goldene EM hoffen

Mit sieben Männern und fünf Frauen geht der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) in die Europameisterschaften, die vom 11. bis 18. Oktober in der Arena Stozice in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ausgetragen werden. Dimitrij Ovtcharov, der im Einzel und im Doppel mit Patrick Franziska antreten sollte, musste am Freitag kurz vor der Abreise zwar wegen Bizepsproblemen im rechten Oberarm seine Teilnahme absagen, dennoch gelten die Team-D-Athlet*innen in allen Wettbewerben als Medaillenkandidaten. Die Bilanz der EM 2024 in Linz (Österreich) mit einmal Silber und dreimal Bronze soll nach Möglichkeit noch getoppt werden. Für dosb.de stellt Richard Prause den deutschen Kader vor und schätzt die Erfolgsaussichten ein. Der 58-Jährige, der in Oberhausen geboren wurde und in Hanau lebt, war von 1999 bis 2010 Bundestrainer der Frauen und Männer, von 2015 bis 2024 Sportdirektor des DTTB und wechselte im Anschluss in den neu installierten hauptamtlichen DTTB-Vorstand, zuständig für den Bereich „Sport“.

Sabine Winter (34/TSV Dachau): Sabine ist als Neunte der Weltrangliste die einzige Europäerin unter den Top 10 und damit eine sehr aussichtsreiche Medaillenkandidatin im Einzel. Ihre Geschichte wurde in den vergangenen Monaten oft erzählt und ist dennoch weiterhin faszinierend. Dass sie den Materialwechsel und die damit verbundene Umstellung ihres Spielstils in dieser Form umgesetzt hat, ist absolut außergewöhnlich und hat weltweit für Furore gesorgt. Sie hat auf einen sehr langsamen Anti-Topspin-Belag gewechselt, und das hat sie extrem weitergebracht. Sie lernt noch immer viel dazu, unter anderem gehört zum Prozess, dass sich die Gegnerinnen langsam auf die „neue“ Sabine einstellen. Sie arbeitet akribisch und mit höchster intrinsischer Motivation daran, die nächsten Schritte zu machen, um der Konkurrenz weiterhin voraus zu bleiben. Sabine hatte im Sommer zwar etwas mit einer Verletzung zu kämpfen, ist aber in der Zwischenzeit wieder voll im Training. Wenn sie eine starke Woche erwischt, kann sie ganz vorne landen.

Ying Han (43/KTS Zamek Tarnobrzeg): Dass sie überhaupt noch auf diesem Level antreten kann, ist die wohl größte Willensleistung, die ich im Tischtennis je gesehen habe. Im Januar 2024 hat sie sich die rechte Achillessehne gerissen. Das ist im Tischtennis, wo diese Sehne für die abrupten Richtungswechsel eine ganz entscheidende Stabilität bringt, die schlimmste Verletzung, davon erholen sich nicht allzu viele. Im Juli 2024 folgte dann der Riss der linken Achillessehne. Doch Ying Han hat damals gesagt, dass sie so nicht aufhören werde und sich zurückkämpfen wolle. Und das hat sie mehr als eindrucksvoll geschafft, sie ist mittlerweile wieder bis auf Platz 16 der Welt geklettert und will sich bei der EM als zweite Europäerin aus den Top 20 der Welt unbedingt zeigen. „Zum Glück habe ich keine drei Achillessehnen“, hat sie damals mit einem Augenzwinkern zu mir gesagt, und das charakterisiert ihre Einstellung perfekt. Sie zieht durch – und kann, wenn die Auslosung passt, sehr weit kommen.

Nina Mittelham (29/TTC Berlin Eastside): Nina kam im vergangenen Jahr aus einer längeren Verletzung, hat sich nun als 29. der Welt wieder unter die Top 30 vorgeschoben. Wir rechnen uns für sie im Einzel gute Chancen aus. Sie ist eine der wenigen Spielerinnen in der Weltklasse, die beidseitig Spin-orientiert spielt. Dieser leichte, schnelle Stil ist zum Zuschauen sehr schön, weil man bei ihr diese Rotationsbereiche sehr gut sieht. Wir sind sehr gespannt, wie sie sich nach den vergangenen Monaten, in denen sie sehr gut gespielt hat, nun bei der EM präsentiert und ob sie die Bronzemedaille von vor zwei Jahren noch toppen kann. Bei der Heim-EM in München stand sie sogar im Einzel-Finale, als sie eine Verletzung stoppte.

Annett Kaufmann (20/DJK SV Kolbermoor): Annett befindet sich aktuell in der Konsolidierungsphase. Der Übergang vom Juniorinnen- in den Erwachsenenbereich ist nie einfach, und wenn man dann wie sie als Shootingstar gehandelt wird, wachsen die Erwartungen zusätzlich. Sie ist nun in der Top 50 der Welt angekommen, wird aktuell an Position 42 geführt. Ihr Spiel hat einige Elemente, die sie herausstechen lassen. Sie spielt ebenso super gegen das gegnerische Tempo wie sie selbst Tempo machen kann. Und sie ist eine Spielerin, die wächst, wenn sie an den Tisch geht. Es ist nach dem EM-Titelgewinn mit dem Team im vergangenen Jahr die erste Einzel-EM, bei der die Konkurrenz sie richtig auf dem Zettel hat, – ihr Einzel-EM-Debüt hat sie 2022 in München gegeben –, und wir sind sehr gespannt, wie sie damit umgeht. Aber sie sucht solche Herausforderungen und wird sich sicher noch weiter entwickeln.

Franziska Schreiner (24/TSV Langstadt): Sie ist eine Spielerin mit profunder Juniorinnenkarriere, die nun schon einige Jahre bei den Damen um den Durchbruch kämpft. In der Weltrangliste steht sie an Position 143. Das EM-Ticket hat sie sich im internen Ausscheidungswettkampf gesichert und damit absolut verdient. Nun kann sie frei aufspielen und versuchen, ihre Chance zu nutzen. Es ist Franzis dritte EM-Teilnahme nach 2022 und 2024.

Han/Winter: Das ist ein neues Doppel, das wir ausprobieren wollen. Ich bin überzeugt, dass das eine sehr spannende Formation ist, weil beide komplett unterschiedliche Systeme einbringen. Mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028, bei denen es keine Teamwettkämpfe für Männer und Frauen mehr gibt, sondern nur noch ein Mixed-Team, versuchen wir gerade einiges, und diese beiden auf Topniveau gemeinsam zu sehen, wird sicherlich sehr spannend werden.

Kaufmann/Mittelham: Die beiden haben schon bei der EM 2024 zusammen Doppel gespielt, nun bekommen sie die nächste Chance, weil wir von ihrem gemeinsamen Potenzial überzeugt sind. Die Kombination aus Links- und Rechtshänderin wird gern genutzt, und wir glauben, dass sie grundsätzlich sehr gut miteinander harmonieren können. Es wird sehr interessant zu verfolgen, ob sie es in Ljubljana umsetzen können.

Erweitertes Führungszeugnis jetzt auch digital: Was das für Sportvereine und Trainer*innen bedeutet

Mehr als acht Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind Mitglied in einem Sportverein. Während es für sie im Sport vor allem um Spaß und Bewegung geht, sind Kinder im Sport eine Gruppe, auf die es besonders zu achten gilt. Im Sport herrscht eine besondere Nähe zwischen Erwachsenen und Kindern. Durch das wöchentliche Training können Trainer*innen zu wichtigen Bezugspersonen für die Minderjährigen werden, denen sie vertrauen – sowohl beim Sport als auch privat als Person und Vorbild.

Damit einher geht eine besondere Verantwortung für Trainer*innen im Kinder- und Jugendsport. Sie müssen Regeln im Umgang mit den jungen Sportler*innen beachten, um sicherzustellen, dass keine Grenzen überschritten werden und dass sich alle wohl fühlen. Für Sportvereine ist es wichtig zu wissen, ob sie einem*r Trainer*in im Vereinsalltag junge Menschen anvertrauen können oder ob die Person in der Vergangenheit ggfs. Straftaten begangen hat, die gegen ein Engagement sprechen könnten.

Eine Maßnahme, um als Verein den Kinder- und Jugendschutz zu gewährleisten, ist es, von Trainer*innen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten oder das tun sollen, ein erweitertes Führungszeugnis (erwFZ) einzufordern.

Das erweiterte Führungszeugnis gibt Auskunft darüber, ob eine Person wegen Kinder- und Jugendschutz relevanten Delikten vorbestraft ist. Dabei werden im Fall von Sexualdelikten auch Verurteilungen ausgewiesen, die wegen geringer Strafhöhe oder Schuld zu keinem Eintrag im normalen Führungszeugnis führen.

Die Beantragung des Führungszeugnisses ist bereits seit über 10 Jahren digital möglich. Die Ausstellung erfolgte bisher jedoch ausschließlich in Papierform und postalisch. Das Bundesamt für Justiz bietet das Führungszeugnis seit dem 1. Oktober 2026 zusätzlich als rein digitales PDF an. Die Ausstellung kann also ab sofort ebenfalls digital erfolgen, das macht den gesamten Prozess einfacher und vor allem schneller. Die entsprechende PDF-Datei erhält man innerhalb weniger Stunden.

„Die Gleichstellung im Sport ist für mich eine Herzensangelegenheit“

Als Ende September in Baden-Baden mit der Kür Münchens zum nationalen Bewerber um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele deutsche Sportgeschichte geschrieben wurde, war ich zwar nicht live dabei. Trotzdem werde ich dieses Wochenende auch persönlich in bester Erinnerung behalten. Nicht nur, weil ich es richtig und wichtig finde, dass der DOSB nun international den nächsten Anlauf nehmen wird, das größtmögliche Sportereignis der Welt in unser Land zu holen. Sondern auch, weil ich am Vortag der Entscheidung als Nachfolgerin von Elena Semechin in die Athlet*innenkommission des DOSB gewählt wurde. Umso mehr freue ich mich, diese Kolumne nutzen zu dürfen, um mich und die Themen, die ich in den kommenden Monaten vorrangig bespielen möchte, einmal vorzustellen.

Gut zehn Jahre lang war ich auf Hochleistungsebene im Rettungsschwimmen aktiv. Einem Sport, der zwar ein Medaillengarant für das Team Deutschland ist, als nicht-olympischer Sport allerdings in der Nische verschwindet – mit der Ausnahme der World Games, die alle vier Jahre stattfinden. Im vergangenen Jahr habe ich meine Karriere nach den World Games in Chengdu (China) beendet. Einerseits, weil mir die mit zwei verschiedenen Staffeln gewonnenen Goldmedaillen und das Silber im Einzelrennen über 200 Meter Super Lifesaver das Gefühl gaben, mich auf dem sportlichen Höhepunkt verabschieden zu können. Andererseits aber auch, weil ich beruflich den nächsten Schritt machen und auch meine private Familienplanung vorantreiben wollte. Beides ist mir glücklicherweise gelungen. Im August habe ich mein Lehramtsstudium mit der Fachrichtung Sonderpädagogik abgeschlossen. Und seit acht Wochen bin ich Mutter der kleinen Cara, die mein Leben seitdem in eine ganz neue Richtung lenkt.

Einsatz in der AK ist für Alica eine Herzensangelegenheit

Ich gebe allerdings gern zu, dass mir der Sport sehr fehlt. Und weil ich schon früh als Athlet*innenvertreterin in meinem Verband gespürt habe, wie wichtig es mir ist, mich auch abseits des Beckens für unsere Belange zu engagieren, ist der Einsatz im Präsidium des Vereins Athleten Deutschland und nun in der DOSB-Athlet*innenkommission für mich nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern mindestens ebenso eine Herzensangelegenheit. Die zeitlichen Ressourcen, die der Rückzug aus dem Hochleistungssport mir eröffnet hat, gehen zwar aktuell zu einem großen Teil für die Familie und später sicherlich auch für den Beruf drauf. Aber ich möchte mich trotzdem mit der notwendigen Energie in die Gremienarbeit einbringen, denn die beiden Themen, denen ich mich vorrangig widmen werde, verdienen diese Aufmerksamkeit.

Zum einen geht es mir um die Weiterentwicklung der nicht-olympischen Sportarten. Dass die Aufmerksamkeit dafür in der Öffentlichkeit deutlich zu gering und eben auch nur punktuell alle vier Jahre überhaupt vorhanden ist, habe ich bereits erwähnt. Ich möchte aber nicht in das generelle Wehklagen einstimmen, sondern versuchen, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Selbstverständlich müssen wir nicht darüber diskutieren, dass eine bessere finanzielle Absicherung vonnöten wäre. Aber das geht ja den Kolleginnen und Kollegen in vielen olympischen Sportarten kaum anders. Und auch wenn ich aus eigener Erfahrung um die strukturellen Probleme insbesondere im Bereich der Schwimmbäder weiß, die in einem Sport wie dem Rettungsschwimmen schon das Ringen um ausreichend Wasserzeiten für das Training zu einer eigenen Disziplin werden lassen, ist mir dennoch klar, dass das im olympischen Schwimmen ebenfalls ein Problem darstellt.

Vermarktung ist auch im nicht-olympischen Sport ein Dauerthema

Ich möchte deshalb den Blick vielmehr auf das lenken, was der nicht-olympische Sport bieten kann. Wir sind bei den World Games in Chengdu auf Rang zwei des Medaillenspiegels gelandet; in Traditionssportarten wie dem Rettungsschwimmen oder dem Faustball sind wir ebenso erfolgreich wie in Trendsportarten wie Beachhandball oder Wakeboarding. Wir haben so viele Athletinnen und Athleten, die nicht nur in ähnlichem Umfang in ihr Training investieren wie die olympischen und paralympischen Kolleg*innen, sondern die individuell großartige Geschichten zu erzählen haben, die es wert sind, medial ausgebreitet zu werden.

Vermarktung ist auch für uns ein Dauerthema, und die Bereitschaft zur Kooperation ist hoch. Dass in diesem Sommer bei den „Finals“, die ich als nationales Format mit hohem Aufmerksamkeitsgrad sehr schätze, in Hannover auch nicht-olympische Sportarten ins Programm inkludiert wurden, werte ich als wichtiges Zeichen. Und ich sehe auch, dass sich die Berichterstattung über die World Games in den vergangenen Jahren signifikant erhöht hat. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir auf diesem Weg weitergehen, und kann versichern, dass die Athletinnen und Athleten sehr offen dafür sind, jegliche Unterstützung zu leisten, die notwendig ist.