Grüner Weg 1, 27793 Wildeshausen

Initiative für zukunftsfähige Vereinsheime gestartet

„Vereinsheim 2.0“ richtet sich an alle Fußballvereine des DFB, aber auch an alle weiteren dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) angeschlossenen Sportvereine, darüber hinaus an Städte, Gemeinden und kommunale Träger, die gemeinsam mit ihren Sportvereinen in moderne, nachhaltige Infrastruktur investieren möchten. Der DOSB sowie die Landessportbünde und -verbände standen dem DFB bei der Erstellung der Publikationen unterstützend zur Seite.

Die Veröffentlichungen setzen sich aus drei Elementen zusammen: Ein Handbuch dient als wesentliches Werkzeug, um ein Vereinsheim strukturiert betrachten, hinterfragen und einschätzen zu können: funktional, technisch und baulich. Außerdem begleitet es Vereine praxisnah auf dem Weg zur besten Lösung und unterstützt bei Fragen zu Fördermitteln, Baurecht und Nachhaltigkeit. Eine von Expert*innen, Fachplaner*innen und Vertreter*innen von Amateurvereinen gemeinsam entwickelte Funktionale Leistungsbeschreibung definiert in Grundzügen die räumlichen, technischen und organisatorischen Parameter eines zukunftsfähigen, idealtypischen Vereinsheims. Vereine finden hier Orientierung für Raumgrößen, Wegebeziehungen und Angaben zu notwendigen technischen Anforderungen.

Vereine und Kommunen, bei denen ein Neubaubedarf besteht, können auf einen Katalog zurückgreifen, der 16 zertifizierte, schlüsselfertige Mustervereinsheime in vier Größen umfasst und für den klassischen Dorfverein bis hin zu komplexen Sportanlagen mit mehreren Spielfeldern modulare und skalierbare Lösungen bietet. Der Katalog ist das Ergebnis einer EU-weiten Ausschreibung mit Bauunternehmen im seriellen, modularen Holzfertigbau. Die Gewinner hat der DFB über eine Rahmenvereinbarung vertraglich gebunden. Die Vorteile sind Kostensicherheit, kurze Planungs- und Bauzeiten sowie flexible, nachhaltige Lösungen.

Die Veröffentlichungen sind in gedruckter Form sowie online hier abrufbar.

Alex Wilke vor doppelter Heim-WM: „Das Potenzial für eine Medaille ist da“

Die Kette um ihren Hals ist ein klares Statement für das, was sie antreibt. Die Olympischen Ringe in Silber schmücken Alexandra Wilkes Dekolleté, und wer die 29-Jährige auf den bisherigen Höhepunkt ihrer sportlichen Karriere anspricht, erhält als Antwort ein vor Verzückung leuchtendes Gesicht und eine Einordnung, die die Faszination des wichtigsten Sportereignisses der Welt in zwei prägende Sätze kleidet. „Für mich war es eine andere Welt, in die ich eintauchen durfte. Es ist das größte Erlebnis, das wir haben können“, sagt die Basketball-Nationalspielerin, die 2024 in Paris die Olympiapremiere der deutschen Frauen miterlebte, die erst im Viertelfinale mit der 71:84-Niederlage gegen die Gastgeberinnen aus Frankreich endete.

Sie habe vorher zwar geahnt, dass die Spiele ein Level der Wahrnehmung garantieren, das durch nichts anderes erreicht wird. „Aber dass gefühlt wirklich jeder Olympia verfolgt und es allen ein Begriff ist, wenn man erzählt, dass man daran teilgenommen hat, ist wirklich der Wahnsinn“, sagt die Team-D-Athletin, die in dieser Woche mit dem deutschen Nationalteam in ein Abenteuer startet, das sie zumindest in ihrer Imagination nicht weit unterhalb der Olympischen Spiele einsortiert: die Heim-WM, die von diesem Freitag bis zum 13. September in Berlin ausgetragen wird. „Ich tue mich noch schwer, es in Worte zu fassen. Überhaupt bei einer WM dabei zu sein, ist eine große Sache für uns“, sagt sie angesichts der Tatsache, dass die bislang einzige WM-Teilnahme deutscher Basketballerinnen von 1998 datiert. Damals war man nur qualifiziert, weil Deutschland mit Münster, Wuppertal, Rotenburg/Fulda, Karlsruhe, Dessau, Bremen und Berlin Gastgeber war. Es reichte immerhin zu Rang elf.

Alex Wilke sieht das Potenzial für eine Medaille

In diesen Tagen sind die Vorzeichen andere. Dass die USA als Titelverteidiger und Rekordchampion Topfavorit auf WM-Gold sind, muss nicht lange diskutiert werden. Aber Deutschland, das im vergangenen Jahr bei der Heim-EM Rang fünf belegte, ist sportlich konkurrenzfähig. Alex Wilke hat zwar die Ansage verinnerlicht, dass sie und ihr Team „Schritt für Schritt gehen“ wollen. Dennoch sagt sie deutlich: „Das Potenzial für eine Medaille ist da!“ Daran habe auch der Ausfall von Topspielerin Satou Sabally nichts verändert. Die 28-Jährige von New York Liberty aus der nordamerikanischen Profiliga WNBA musste wegen der Folgen einer Gehirnerschütterung ihre Teilnahme absagen, was Alex Wilke vor allem auf persönlicher Ebene extrem leid tut. „Sie ist wie ich in Berlin aufgewachsen, wir haben in der Jugend schon gegeneinander gespielt. Es wäre für sie etwas sehr Besonderes gewesen, diese WM zu spielen. Natürlich ist ihre Absage ein krasser Rückschlag. Aber trotz ihres Ausfalls müssen wir unsere Ziele nicht zurückschrauben“, sagt sie.

Das ist mutig, schließlich stehen auch hinter den Einsätzen von Saballys zwei Jahre jüngerer Schwester Nyara (Toronto Tempo/Wadenverletzung) und Leonie Fiebich (26/New York Liberty), die am linken Fuß verletzt ist, noch Fragezeichen, beide haben wochenlang nicht gespielt und werden kaum in Topform in der Hauptstadt auflaufen. Aber weil im Aufgebot von Bundestrainer Olaf Lange in Luisa Geiselsöder (26) und Frieda Bühner (22/beide Portland Fire) zwei weitere WNBA-Spielerinnen stehen, schätzt Alex Wilke die Qualität im Team als hoch genug ein, um sich in den Vorrundenspielen gegen Spanien (4. September, 17.45 Uhr), Japan (5. September, 18 Uhr) und Mali (7. September, 17.50 Uhr) zu behaupten und als Gruppensieger direkt ins Viertelfinale einzuziehen. „Spanien zum Auftakt ist der härteste Gegner, wir kennen sie sehr gut, haben bei der EM im vergangenen Jahr in der Gruppe gegen sie verloren und deshalb noch eine Rechnung offen. Japan ist unbequem, sie spielen sehr schnell und wuselig, aber wir haben sie in Paris besiegt. Und Mali ist der Gegner, den man in dieser Gruppe schlagen muss“, sagt sie. 

Die Zweiten und Dritten der vier Vorrundengruppen bestreiten Qualifikationsspiele um die vier weiteren Plätze für die Runde der letzten acht. Mit diesem Umweg könnten bis zu einer Finalteilnahme sieben Partien binnen neun Tagen zusammenkommen. Eine Belastung, die Alex, die mit dem Team seit vergangenem Freitag in Berlin trainiert, als grenzwertig einordnet. „Wir kennen zwar Back-to-back-Spiele, aber auf diesem Niveau ist das schon etwas irre. Der Spielplan ist wirklich extrem eng, insbesondere für die WNBA-Spielerinnen, die direkt aus der Saison kommen. Aber wir haben einen tollen Staff, der sich damit auskennt, die Belastung zu steuern und der Regeneration ausreichend Raum zu geben, deshalb mache ich mir keine Sorgen“, sagt sie.

„Wir müssen glaubhaft vermitteln, dass wir da sind, wenn etwas passiert“

DOSB: Die anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sind in der gesamten Republik ein wichtiges Thema. Christian, mit welchen Gefühlen schaust du persönlich nach dem monatelangen Wahlkampf in Sachsen-Anhalt auf den 6. September?

Christian Schreiber: Bei uns hat sich das Gefühl exponentiell verstärkt, dass wir wegen des sehr intensiven Austauschs im Verband über die vergangenen Monate an einem Punkt sind, wo wir spüren: Es braucht jetzt einen Abschluss. Gefühlt befinden wir uns in einem intensiven Endspurt, der Wahlkampf ist lauter als sonst. Jeder hatte die Chance, sich ein Bild zu machen, wie sich die Parteien positionieren und äußern. Das Szenario wird, da müssen wir nicht drumherum reden, davon geprägt, dass die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, aber in den Umfragen deutlich führt. Jetzt brauchen wir die Wahl und die Ergebnisse, damit wir damit arbeiten können.

Ihr habt über Monate den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt verfolgt. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Christian Schreiber: Wir haben uns als Landessportbund viele Gedanken gemacht, uns sehr intensiv mit den Positionen der Parteien auseinandergesetzt. Ich bin ja nicht nur Geschäftsführer im LSB, sondern auch Sachsen-Anhalter, ich lebe in Halle und spüre, dass es ein Wahlkampf ist, der anders ist als vorherige, weil die AfD in Umfragen so weit vorn liegt, dass es zu einer parlamentarischen Mehrheit reichen könnte. Das gesellschaftliche Klima ist angespannter als sonst. Die Unzufriedenheit mit der aktuellen Politik ist immens. Das Spannungsfeld reicht von „Ich würde der aktuellen Politik keine guten Noten geben, aber wähle nicht AfD“ bis hin zu „Ich bin aus Überzeugung loyaler Follower der AfD“. Wir nehmen dieses Spannungsfeld überall wahr, sehen die Aufläufe an den Wahlständen. Das erzeugt ein Gefühl von Ungewissheit, und das ist unangenehm. Diese Stimmung ist greifbar.

Ihr habt euch auch konkret eingebracht, habt zwölf plus zwei Wahlprüfsteine an alle derzeitigen Fraktionen des Landtages sowie das BSW gesendet und sportpolitische Forderungen gestellt. Was sind eure Erkenntnisse bisher?

Christian Schreiber: Unsere Kreis-/Stadtsportbünde sowie Fachverbände und Vereine wollten wissen, wie wir uns positionieren. Wir haben mit allen Parteien dazu gesprochen, zunächst ohne AfD und BSW, später auch konkret mit ihnen. Basierend auf deren Wahlprogrammen haben wir ihnen weitere konkrete Fragen gestellt. Alle Parteien haben die Wahlprüfsteine beantwortet, bis auf das BSW auch sehr fundiert und detailliert. Wir haben alles umfassend auf unserer Homepage veröffentlicht, weil wir das Gefühl hatten, dass wir als Dachverband diese detaillierte Arbeit leisten müssen. Bei der AfD bestehen gerade bei den Themenbereichen Integration und Inklusion große Fragezeichen, ob das mit den Werten des Sports, wie wir sie kennen und schätzen, vereinbar ist. Das ruft bei vielen Befürchtungen hervor, bei manchen auch Ängste. Gleichzeitig schreckt es uns nicht ab, uns damit auseinanderzusetzen, wir stellen umso mehr die notwendigen Fragen. Es werden mit Aussagen wie „Integrationskonzept gescheitert“ Bilder gezeichnet, die eine extreme Separierung von Menschen mit Behinderung oder Migrationshintergrund befürchten lassen. In Interviews wird das zwar relativiert, aber daran merkt man die Unklarheiten von AfD-Politikern, die bestehen.

Wie kann und wie sollte sich der Sport bezüglich der anstehenden Wahlen positionieren, warum ist eine Positionierung wichtig?

Otto Fricke: Weil sie Sicherheit und allen Beteiligten im Sport das Gefühl gibt: Wenn ich mich an diese Richtlinien halte, bin ich nicht allein. Gemeinschaft ist das, was den Sport ausmacht. Mit einer Positionierung bildet der Sport ein Bollwerk gegen Angriffe von außerhalb der demokratischen Ordnung. Deshalb ist es mir auch so wichtig, dass wir uns gegen jeglichen Extremismus positionieren, um bei allen Diskussionen sagen zu können: Wenn es sich um Extremismus handelt, der sich gegen unsere Grundwerte richtet, gehen wir dagegen vor! 

Christian Schreiber: Wir haben uns gegen jegliche Form von Extremismus positioniert und konnten das Gefühl vermitteln, dass wir gut vorbereitet sind und uns intensiv mit der Thematik beschäftigen. Wir sind, das spiegeln uns unsere Kreise und Verbände, eine Art Gatekeeper. Wir wissen, wie das Stimmungsbild ist, aber wir fragen niemals ab, wer was wählt, wie wir auch keinen Unterschied machen zwischen Hautfarbe oder Dialekt. Eine Positionierung hat die wichtige Bedeutung, dass wir weiterhin fest zu unseren Werten stehen. Diese stehen schon lange Zeit bei uns in Paragraf zwei unserer Satzung sowie in unserer Richtlinie für gute Vereinsführung. In einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand unserer Sportjugend haben wir die Gruppe gebildet, die in Krisensituationen geschlossen agiert, und in diesem Kreis beschlossen, dass wir mögliche Streitpunkte ausdiskutieren, um mit einem umfassenden Mandat antreten zu können. 

Wer nicht Teil des Wahlkampfes in Sachsen-Anhalt ist, bekommt manchmal das Gefühl, dass es zu wenige Möglichkeiten echten Dialogs zwischen Menschen mit gegensätzlichen politischen Ansichten gibt. Welche Dialogmöglichkeiten sollte der Sport bieten, und welche gab es in Sachsen-Anhalt konkret?

Christian Schreiber: Ich teile diese Prämisse nicht. Wir haben uns im Februar in einer Klausur mit Präsidium und Vorstand verständigt, dass wir tiefer in die Fläche gehen. Der Sport hat immer wieder Möglichkeiten geboten, dass sich Menschen mit verschiedenen Positionen in einem Raum treffen. Dort wurde auch mal zugehört, das ist das wichtigste Tool, um Konflikte auszuhalten. Das ist nichts, was wir den Vereinen sagen müssen, das ist ein gemeinsames Verständnis. Denk- und Kontaktverbote, die von Medien immer wieder suggeriert werden, sorgen für eine gefühlte Verengung in der Meinungsäußerung, obwohl es faktisch keine Einschränkungen gibt. Im Sport ist man zusammengekommen und hat darüber gesprochen. Es ist aber nicht die Aufgabe des Sports, die Mitglieder zusammenzurufen und statt gemeinsamen Sporttreibens über Politik zu diskutieren, gleichzeitig ist dies aber möglich. Generell sind wir jedoch kein geeignetes Instrument für politischen Aktivismus.

Otto Fricke: Das wäre ungefähr so, als wenn wir Menschenrechtsaktivisten dazu auffordern würden, dass sie mal mehr Sport treiben sollten, weil wir uns für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele bewerben. Sport bietet, gerade im Teamsport, immer Nähe, man kommt nah an andere Menschen heran, berührt sie im wahrsten Wortsinn. Alle Kontaktverbote führen dazu, dass die Kameradschaft, die im Sport üblich ist, kaputt gemacht wird. Niemand muss sich zu politischen Themen äußern, aber eine Offenheit dafür, vernünftig miteinander zu reden, ist dem Sport immanent. Nähe sollte immer möglich sein.