ZukunftsArena im DOSB: Wo der Wille zu Veränderung greifbar wird
Allzu oft kommt es nicht vor, dass Menschen sich über einen deutlichen Zuwachs an Arbeit freuen. Aber Michaela Röhrbein hinterließ am Donnerstagnachmittag im Haus des Sports an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise den ehrlichen Eindruck, mit den Resultaten der „ZukunftsArena 2026“ durchaus zufrieden zu sein. „Wir haben jetzt eine volle Agenda, aber wir werden uns gemeinsam mit euch darum kümmern. Wir werden Schritt für Schritt gemeinsam vorangehen und schauen, welche Veränderungen uns unseren Zielbildern für Sportdeutschland 2035 tatsächlich näherbringen – und wie wir sie gemeinsam verantworten und in die Umsetzung bringen können“, rief die Vorständin für Sportentwicklung im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) den rund 75 Teilnehmenden – zum größten Teil aus den Führungsebenen der Mitgliedsorganisationen –, die sich im DOSB-Hauptsitz zu so intensiven wie wichtigen Diskussionen getroffen hatten, zu.
Auf der DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember 2025 wurden sechs messbare Ziele für Sportdeutschland 2035 verabschiedet. Sie bilden als langfristiger Orientierungsrahmen die Grundlage dafür, den organisierten Sport angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher, demografischer, technologischer und ökologischer Veränderungen zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Seitdem wurden die Ausgangslagen für alle sechs Ziele umfassend analysiert, in zwei Calls mit den Mitgliedsorganisationen diskutiert und daraus sechs große Hebel für die nächsten Entwicklungsschritte abgeleitet. Und weil die Ziele nur erreicht und die Hebel umgelegt werden können, wenn in Sportdeutschland möglichst viele mitziehen, soll in regelmäßigen Diskussionsformaten an ihrer gemeinsamen Weiterentwicklung gearbeitet werden. Die ZukunftsArena markierte damit den nächsten Schritt einer beteiligungsorientierten Entwicklung von der Analyse über strategische Richtungsfragen und Zukunftsbilder hin zu konkreten Maßnahmen.
Michaela Röhrbein hält im Ziele-2035-Prozess die Fäden zusammen. Die ZukunftsArena wurde vom gesamten DOSB-Vorstand getragen und gemeinsam mit dem Ziele-2035-Kernteam aus Alexander Best mit Gesa Krensing, Miriam Seib und Max Brenker vorbereitet. Vorstand und Kernteam hatten bewusst zu ergebnisoffenen Diskussionen eingeladen, aus denen konkrete Handlungsaufträge entstehen sollten. Genau dieser Geist war schon am Mittwochabend spürbar. In einem energiegeladenen und inspirierenden Impulsvortrag blickte Dr. Arne Göring, Sportsoziologe und Leiter der Zentralen Einrichtung für Sport und Gesundheit an der Georg-August-Universität Göttingen, auf die gesellschaftliche Entwicklung bis 2035 voraus. „Smartphones und KI sind weiterhin die größten Umwälzungen, die wir erleben werden. Die Digitalität ist der Katalysator der De-Institutionalisierung des Sports“, so seine Prognose.
Ronny Rauhe ist neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt
Es war eine Personalie, die viele überraschte. Am Donnerstag um 14.30 Uhr trat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Bundeskanzleramt in Berlin vor die Medien, um die Neubesetzung einer Position zu verkünden, die seit Ende Juli vakant war. Nachfolger von Christiane Schenderlein, die vom Bundeskanzler als Parlamentarische Staatssekretärin ins Bundesgesundheitsministerium versetzt worden war, und damit neuer Staatsminister für Sport und Ehrenamt wird Ronald Rauhe. Der 44 Jahre alte Berliner, der im Kanurennsport zwei olympische Goldmedaillen und insgesamt 16 WM-Titel gewinnen konnte, übernimmt das nach der Übernahme der aktuellen Regierungskoalition aus CDU und SPD im Frühjahr 2025 neu geschaffene Amt von der CDU-Politikerin Schenderlein, deren Demission in den vergangenen Wochen von vielen Seiten – auch aus dem DOSB – ebenso deutlich kritisiert worden war wie die Hängepartie bei der Neubesetzung.
„Mit Ronald Rauhe als neuem Minister für Sport und Ehrenamt möchte die Bundesregierung ein Zeichen setzen, dass wir den deutschen Sport als ein wichtiges Aufgabengebiet sehen. Gleichzeitig übernimmt er auch die Aufgabe, das Ehrenamt in Deutschland zu stärken. Ich bin sehr sicher, dass er der richtige Mann sein wird, auch hier im Bundeskanzleramt diesen großen Bereich des Sports und des Ehrenamts in unserer Republik zu stärken, zu unterstützen und auch jederzeit den Zugang zum Bundeskanzler zu haben. Ich freue mich sehr und danke noch einmal für die Bereitschaft, diese Aufgabe zu übernehmen“, sagte Merz, der Rauhe schon in einem vor der Pressekonferenz veröffentlichten Instagram-Post in seinem Team willkommen geheißen hatte.
Rauhes Gefühlswelt: stolz, glücklich, ein bisschen überwältigt
Der neue Staatsminister verglich seine emotionale Befindlichkeit mit dem Gewinn seiner ersten olympischen Medaille. „Ich war 18 Jahre alt, ich war stolz, ich war glücklich. Natürlich auch ein bisschen überwältigt. Aber eins wusste ich schon damals sehr genau: Diese Medaille gehört mir nicht alleine. Dahinter standen Trainerinnen und Trainer. Meine Familie, Ehrenamtler und ein Land, das mir die Möglichkeit gegeben hat, diesen Traum zu leben. Heute erlebe ich wieder einen Moment, der mich sehr berührt. Nicht als Athlet, sondern ab heute als Staatsminister für Sport und Ehrenamt. Vielen Dank für dieses Vertrauen“, sagte er.
Drei Dinge lägen ihm besonders am Herzen: Er wolle die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele mit voller Kraft vorantreiben. Deutschland solle wieder zu den erfolgreichsten Sportnationen der Welt gehören und deshalb die beschlossene Spitzensportreform konsequent weiter vorantreiben. Und er werde dafür kämpfen, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen Spitzenleistungen entstehen können, sicher und mit starken Trainerinnen und Trainern sowie Ehrenamtlichen, die mehr Unterstützung und vor allem volle Wertschätzung erhalten sollen. „Ich weiß, es liegen große Aufgaben vor uns, aber wenn ich eins im Sport gelernt habe, ist es, dass man große Titel niemals allein erreicht. Man erreicht sie gemeinsam. Sport und Ehrenamt können unser Land stärker machen, und genau dafür möchte ich arbeiten“, sagte er.
36 Sportarten, 62 Disziplinen: Karlsruhe bietet die vielfältigsten World Games
Die World Games 2029 in Karlsruhe nehmen immer mehr Form an. Nachdem bereits Ende April über einen Großteil des Sportartenprogramms entschieden worden war, steht seit diesem Donnerstagmittag nach Verhandlungen mit dem Weltverband IWGA fest, dass die Weltspiele der nicht-olympischen Sportarten, die vom 19. bis 29. Juli 2029 in der drittgrößten Stadt Baden-Württembergs stattfinden sollen, die vielfältigste Ausgabe seit der ersten Austragung im Jahr 1981 werden wird. 36 Sportarten stehen auf dem Programm, insgesamt werden in 62 Disziplinen Medaillen verliehen. Bei der bislang letzten Ausgabe im vergangenen Jahr in Chengdu (China) waren 34 Sportarten dabei. Deutschland trat in 25 davon an und belegte mit 45 Medaillen – 17 Gold-, 14 Silber- und 14 Bronzemedaillen – Rang zwei im Medaillenspiegel hinter Gastgeber China.
Neu im Programm sind unter anderem Hockey mit der Disziplin Hockey5, Air Badminton, Minigolf und Hallenradsport. Dafür wurde zum Beispiel die Kampfsportart Sambo gestrichen. Die gesamte Sportartenliste ist hier zu finden. Auch die Inklusion des Para-Sports wird vorangetrieben. Nachdem in Chengdu im Freediving und im Ju-Jutsu Para-Wettkämpfe inkludiert waren, wird dieses nun auch auf Para-Kanu, Para-Karate und Para-Sportklettern ausgeweitet. Insgesamt werden rund 4.000 Athlet*innen aus ungefähr 100 Nationen erwartet. Im Oktober, rund um die „1.000 Days to go“-Marke, werden erstmals Vertreter*innen der teilnehmenden Weltverbände und Nationalen Olympischen Komitees zu einem Treffen in Karlsruhe zusammenkommen. Die Wettkampfstätten sollen bis Frühjahr 2027 festgelegt werden, das genaue Wettkampfprogramm soll im Herbst 2027 stehen. Karlsruhe ist nach 1989 zum zweiten Mal Gastgeber, erstmals kommen die World Games damit in eine Stadt zurück, die schon einmal Ausrichter war. 2005 war zudem Duisburg Gastgeber.

