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DOSB-Wissenschaftspreis: Bewerbung noch bis 31. Juli möglich

Damit setzt der DOSB die Tradition des Carl-Diem-Wettbewerbs fort, den der Deutsche Sportbund seit 1953 durchgeführt hat. Die preisgekrönten Arbeiten der Preisträger*innen legen ein eindrucksvolles Beispiel der hohen sportwissenschaftlichen Forschungsleistungen ab. Die letzte Verleihung des Preises fand am 31. Januar 2025 im Rahmen einer Festakademie im Haus des Sports statt.

Die Ausschreibung für den aktuellen Wettbewerb um den DOSB-Wissenschaftspreis 2025/2026 ist seit Herbst 2025 veröffentlicht. Als Wettbewerbsbeitrag können sportwissenschaftliche Arbeiten in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden, die seit 2024 an einer deutschen Universität als Promotions- oder Habilitationsleistung angenommen wurden. Zudem haben Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft oder einem sportwissenschaftlichen Abschluss an einer deutschen Universität die Möglichkeit, vergleichbare Qualifikationsarbeiten einzureichen, sofern diese an einer Universität außerhalb Deutschlands anerkannt wurden. Der DOSB möchte mit seinem Wissenschaftspreis insbesondere Arbeiten anregen, die aktuelle Fragen des organisierten Sports thematisieren. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2026.

Die Auszeichnung der Preisträger*innen und die Verleihung des DOSB-Wissenschaftspreises 2025/2026 nimmt voraussichtlich der DOSB-Präsident im Rahmen einer Festakademie Anfang des Jahres 2027 vor.

„Der Mehrwert der Europaspiele wird nach und nach allen klarer“

DOSB: Peter, in genau einem Jahr sollen in Istanbul die 4. Europaspiele starten, die vom 16. bis 27. Juni in der Türkei stattfinden sollen. Wie ist der Stand der Vorbereitung?

Peter Brüll: Natürlich kann man immer sagen, dass man früher mit den Planungen hätte beginnen können. Zeitdruck gibt es in fast jedem Projekt. Aber wenn ich einbeziehe, dass wir erst im vergangenen Jahr den Host-City-Vertrag unterschrieben haben, kann ich sagen, dass das türkische Organisationskomitee einen wirklich guten Job macht. Sie haben viel Erfahrung als Ausrichter von Sportgroßveranstaltungen. Vielleicht nicht mit Multisportevents, aber die Türkei richtet viele Weltcups, Europa- oder Weltmeisterschaften aus. Aus meiner Sicht arbeiten alle relevanten Ebenen sehr gut zusammen, so dass ich zuversichtlich bin, dass ausreichend Zeit und personelle Ressourcen zur Verfügung stehen, um alles pünktlich fertigzustellen und sehr gute Spiele durchzuführen.

Was sind auf dem Weg bis zum Start die wichtigsten organisatorischen Hürden, die noch genommen werden müssen?

Noch sind viele Dinge zu erledigen, da geht es um die Auswahl der Venues, um Transportinfrastruktur und auch um finanzielle Strukturen. Aber das ist normal zu diesem Zeitpunkt. Das Wichtigste ist, die richtigen Menschen in die notwendigen Positionen zu bringen und miteinander zu verbinden. Damit steht und fällt eine solche Organisation.

Was lässt sich Stand heute zu den Ausmaßen der Veranstaltung sagen? Wie viele Athlet*innen werden erwartet, wie viele Sportarten werden im Programm sein und auf welche ikonischen Standorte dürfen sich die Fans freuen?

Da sich immer kleine Anpassungen ergeben können, bitte ich zu beachten, dass es sich um den Status Quo handelt. Aktuell planen wir mit 26 Sportarten, 22 davon aus dem olympischen Programm. Wir werden rund 7500 Athlet*innen in Istanbul begrüßen, was ein Rekordwert ist. 2023, bei der bislang letzten Ausgabe in Krakau, waren knapp 6900 Sportler*innen dabei. Was die Austragungsstätten angeht, bitte ich noch um etwas Geduld. Ich kann aber versprechen, dass es, wie 2024 bei den Olympischen Spielen in Paris, einige ikonische Stätten geben wird. Istanbul bietet für Sportarten wie 3x3 Basketball, Sportklettern oder auch Squash in gläsernen Courts herausragende, monumentale Spots, die dafür sorgen werden, dass auch die Promotion für die Stadt nicht zu kurz kommen wird.

Für 21 der 22 olympischen Sportarten sind in Istanbul Wettkämpfe zur Olympiaqualifikation vorgesehen. Welchen sportlichen Stellenwert haben Europaspiele mittlerweile, und wie ist es gelungen, diesen kontinuierlich zu erhöhen?

Ich freue mich sehr, dass auch die Außenwirkung der Europaspiele mittlerweile so ist, dass die steigende Bedeutung des sportlichen Werts wahrgenommen wird. Istanbul ist Gastgeber der erst vierten Ausgabe, wir stehen im Vergleich zu anderen Kontinentalwettkämpfen noch immer am Anfang. Dennoch haben wir Interesse von viel mehr Verbänden, als wir ins Programm aufnehmen könnten. Ich glaube, dass unser Narrativ, ein direkter Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Spiele zu sein, mittlerweile gut verfängt und dafür sorgt, dass die Fachverbände und die NOKs als unsere Mitglieder zunehmend Interesse an dem Format European Games entwickeln. Wir werden in Istanbul 122 direkte Plätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles ausloben, dazu kommen viele Wettkämpfe mit hoher Relevanz für die Olympia-Ranglisten. Das unterstreicht die sportliche Bedeutung und gibt uns berechtigte Hoffnung, dass die besten Athlet*innen in Istanbul antreten werden.

Die Türkei gilt als aufstrebende Sportnation. Welche Bedeutung hat die Ausrichtung der Europaspiele für die Gastgeber?

Bei den Paris-Spielen ist die Türkei mit acht Medaillen, keine davon in Gold, auf Rang 64 des Medaillenspiegels weit hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Deshalb haben Politik und Sport gemeinsam an ihren Zielstellungen gefeilt und versucht zu ergründen, wie sich die Ergebnisse verbessern lassen. Ein wichtiges Element in ihrer neuen Strategie ist es, als Ausrichter großer Events die Chancen zu erhöhen, dass türkische Athlet*innen erfolgreicher sein können. Als Gastgeber dürfen die Türken in jeder Sportart bei den Europaspielen antreten und haben dadurch mehr Möglichkeiten, um sich für Los Angeles zu qualifizieren. Und je mehr Sportler*innen antreten, desto höher dürften die Chancen sein, dann auch bei Olympia erfolgreicher zu werden. Außerdem sind die Europaspiele auch für die öffentliche Wahrnehmung wichtig. Die Türkei plant, sich für die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele zu bewerben. Im kommenden Jahr wollen sie der Welt zeigen, dass sie zu Großem in der Lage sind, und in diesem Puzzle sind die Europaspiele ein wichtiges Teil.

Auf der EOC-Generalversammlung im vergangenen Jahr in Frankfurt am Main hat der damalige Bürgermeister Ekrem Imamoglu für die Veranstaltung geworben. Kurz darauf wurde er wegen angeblicher Korruption und Terrorismusunterstützung verhaftet und befindet sich weiterhin im Gefängnis. Welche Probleme hat das verursacht und wie ist die politische Situation aktuell einzuschätzen?

Ich möchte die politische Situation in der Türkei nicht kommentieren. Was ich bestätigen kann: Die Stadt Istanbul und die türkische Regierung haben sich über die vergangenen Monate als sehr verlässliche Kooperationspartner erwiesen. Das zeigt uns, dass auf dem Feld des Sports Zusammenarbeit trotz manch politischer Kontroverse sehr gut möglich ist.

„Schwimmen ist eine Lebenskompetenz, die jeder Mensch erwerben sollte“

DOSB: Jan, der Bund hat für dieses Jahr 250 Millionen Euro für die Sanierung von Schwimmbädern in Aussicht gestellt. Freut man sich als DSV-Vorstandsvorsitzender darüber, oder sieht man schon jetzt eher die vielen Bäder, die trotzdem leer ausgehen werden? 

Jan Pommer: Zunächst einmal freuen wir uns darüber sehr, weil es in Zeiten knapper Kassen nicht selbstverständlich ist, dass finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden. Das kaschiert aber selbstverständlich nicht die Tatsache, dass der Gesamtbedarf für die Sanierung von Schwimmbädern in Deutschland um ein Vielfaches höher liegt. Unterschiedliche Schätzungen gehen von einer Summe bis zu zehn Milliarden Euro aus. Die Notwendigkeit für einen neuen Goldenen Plan ist offenkundig hoch.

Was ist bei der Verteilung der Gelder aus dem Sondervermögen aus deiner Sicht für die Schwimm-Infrastruktur besonders zu beachten? 

Wir haben uns stark dafür eingesetzt, dass die Antragsverfahren so einfach wie möglich gestaltet werden und dass auch Vereine selbst  diesen eigenständig anmelden können und nicht über ihre Kommune gehen müssen. Außerdem ist uns sehr wichtig, dass in dieser ersten Tranche vor allem Bäder saniert werden, die eine wichtige Rolle für das Schwimmenlernen spielen. Natürlich freuen wir uns auch über moderne Spaßbäder, aber die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung ist das Fundament, das wir dringend stärken müssen. Dafür braucht es funktionsfähige Lehrschwimmbecken, deshalb drängen wir darauf, dass es hier eine Priorisierung der Mittel geben kann und vor allem solche künftig errichtet werden.

Der DSV hat weiterhin mehr als 600.000 Mitglieder, auch die Zahl der Vereine ist leicht gestiegen. Wie groß sind die Probleme, diesen Menschen verlässlich die Möglichkeit zu bieten, Schwimmsport zu betreiben? 

Diese Frage möchte ich zweigeteilt beantworten. Auf der einen Seite müssen all jene Vereine, die keine eigenen Bäder betreiben, sehr hart um entsprechende Wasserzeiten kämpfen. Dabei stehen sie im Wettbewerb mit anderen Stakeholdern und werden auch mit den kommunalen Finanznöten konfrontiert. Wir haben natürlich Verständnis dafür, dass alle Seiten sehen müssen, wie sie ökonomisch tragfähig arbeiten. Aber in diesem Wettbewerb muss die Vereinsarbeit priorisiert werden. Das schadet sonst den Vereinen und damit auch all den Menschen, die ihren Schwimmsport nicht wie erwünscht ausüben können. Auf der anderen Seite haben wir ein grundsätzliches Problem, weil in Deutschland ganz einfach viel zu wenige Wasserflächen zur Verfügung stehen. Jedes Jahr schließen Bäder und werden auch nicht wieder eröffnet, auch weil der Betrieb fälschlicherweise als „Groschengrab“ gilt. Diesen Problemen stellen wir uns, aber wir schaffen das nicht allein. 

Die Zahlen der Menschen, insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, die nicht schwimmen lernen, sind alarmierend. Was kann der DSV noch unternehmen, damit all die Appelle, die immer wieder von euch ausgehen, nicht ungehört bleiben? 

In der Tat ist der Status Quo schlecht. Jedes Jahr verlassen rund 500.000 Kinder die Grundschulen, ohne sicher schwimmen zu können. Die gute Nachricht ist aber, dass man dagegen durchaus vieles tun kann. Wir können mehr Angebote schaffen und besser, vor allem zielgerichteter dafür werben, damit diese auch bekannt werden. Uns geht es darum, allen Menschen klarzumachen, dass Schwimmen eine Lebenskompetenz ist, die jeder erwerben sollte. Aber natürlich auch, dass es ein wunderbarer Sport ist, der vom Kleinkind bis zum Greis ausgeübt werden kann. Wir müssen unsere Angebote noch niedrigschwelliger zugänglich machen. Außerdem müssen wir mehr Übungsleitende ausbilden. Dazu sprechen wir gerade mit dem Bund über eine Förderung, die das unterstützen könnte. Als letzten Punkt möchte ich die Chance herausstreichen, die uns die flächendeckende Umstellung auf den Ganztag in den Schulen bietet. Wenn wir mit allen daran beteiligten Institutionen gut und unkompliziert kooperieren, können wir darüber das Schwimmenlernen einer viel breiteren Zielgruppe näherbringen. 

Wie steht Deutschland eigentlich im internationalen Vergleich da? Wie ist es um die Schwimmfähigkeit der Bevölkerung statistisch bestellt? 

Im europäischen Vergleich stehen wir leider nicht gut genug da, da waren wir schon besser und wollen unbedingt auf diesen Standard zurück. Weltweit gibt es sicherlich viele Regionen, in denen die Kulturtechnik Schwimmen nicht zur Selbstverständlichkeit gehört.