„Die Gleichstellung im Sport ist für mich eine Herzensangelegenheit“
Als Ende September in Baden-Baden mit der Kür Münchens zum nationalen Bewerber um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele deutsche Sportgeschichte geschrieben wurde, war ich zwar nicht live dabei. Trotzdem werde ich dieses Wochenende auch persönlich in bester Erinnerung behalten. Nicht nur, weil ich es richtig und wichtig finde, dass der DOSB nun international den nächsten Anlauf nehmen wird, das größtmögliche Sportereignis der Welt in unser Land zu holen. Sondern auch, weil ich am Vortag der Entscheidung als Nachfolgerin von Elena Semechin in die Athlet*innenkommission des DOSB gewählt wurde. Umso mehr freue ich mich, diese Kolumne nutzen zu dürfen, um mich und die Themen, die ich in den kommenden Monaten vorrangig bespielen möchte, einmal vorzustellen.
Gut zehn Jahre lang war ich auf Hochleistungsebene im Rettungsschwimmen aktiv. Einem Sport, der zwar ein Medaillengarant für das Team Deutschland ist, als nicht-olympischer Sport allerdings in der Nische verschwindet – mit der Ausnahme der World Games, die alle vier Jahre stattfinden. Im vergangenen Jahr habe ich meine Karriere nach den World Games in Chengdu (China) beendet. Einerseits, weil mir die mit zwei verschiedenen Staffeln gewonnenen Goldmedaillen und das Silber im Einzelrennen über 200 Meter Super Lifesaver das Gefühl gaben, mich auf dem sportlichen Höhepunkt verabschieden zu können. Andererseits aber auch, weil ich beruflich den nächsten Schritt machen und auch meine private Familienplanung vorantreiben wollte. Beides ist mir glücklicherweise gelungen. Im August habe ich mein Lehramtsstudium mit der Fachrichtung Sonderpädagogik abgeschlossen. Und seit acht Wochen bin ich Mutter der kleinen Cara, die mein Leben seitdem in eine ganz neue Richtung lenkt.
Einsatz in der AK ist für Alica eine Herzensangelegenheit
Ich gebe allerdings gern zu, dass mir der Sport sehr fehlt. Und weil ich schon früh als Athlet*innenvertreterin in meinem Verband gespürt habe, wie wichtig es mir ist, mich auch abseits des Beckens für unsere Belange zu engagieren, ist der Einsatz im Präsidium des Vereins Athleten Deutschland und nun in der DOSB-Athlet*innenkommission für mich nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern mindestens ebenso eine Herzensangelegenheit. Die zeitlichen Ressourcen, die der Rückzug aus dem Hochleistungssport mir eröffnet hat, gehen zwar aktuell zu einem großen Teil für die Familie und später sicherlich auch für den Beruf drauf. Aber ich möchte mich trotzdem mit der notwendigen Energie in die Gremienarbeit einbringen, denn die beiden Themen, denen ich mich vorrangig widmen werde, verdienen diese Aufmerksamkeit.
Zum einen geht es mir um die Weiterentwicklung der nicht-olympischen Sportarten. Dass die Aufmerksamkeit dafür in der Öffentlichkeit deutlich zu gering und eben auch nur punktuell alle vier Jahre überhaupt vorhanden ist, habe ich bereits erwähnt. Ich möchte aber nicht in das generelle Wehklagen einstimmen, sondern versuchen, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Selbstverständlich müssen wir nicht darüber diskutieren, dass eine bessere finanzielle Absicherung vonnöten wäre. Aber das geht ja den Kolleginnen und Kollegen in vielen olympischen Sportarten kaum anders. Und auch wenn ich aus eigener Erfahrung um die strukturellen Probleme insbesondere im Bereich der Schwimmbäder weiß, die in einem Sport wie dem Rettungsschwimmen schon das Ringen um ausreichend Wasserzeiten für das Training zu einer eigenen Disziplin werden lassen, ist mir dennoch klar, dass das im olympischen Schwimmen ebenfalls ein Problem darstellt.
Vermarktung ist auch im nicht-olympischen Sport ein Dauerthema
Ich möchte deshalb den Blick vielmehr auf das lenken, was der nicht-olympische Sport bieten kann. Wir sind bei den World Games in Chengdu auf Rang zwei des Medaillenspiegels gelandet; in Traditionssportarten wie dem Rettungsschwimmen oder dem Faustball sind wir ebenso erfolgreich wie in Trendsportarten wie Beachhandball oder Wakeboarding. Wir haben so viele Athletinnen und Athleten, die nicht nur in ähnlichem Umfang in ihr Training investieren wie die olympischen und paralympischen Kolleg*innen, sondern die individuell großartige Geschichten zu erzählen haben, die es wert sind, medial ausgebreitet zu werden.
Vermarktung ist auch für uns ein Dauerthema, und die Bereitschaft zur Kooperation ist hoch. Dass in diesem Sommer bei den „Finals“, die ich als nationales Format mit hohem Aufmerksamkeitsgrad sehr schätze, in Hannover auch nicht-olympische Sportarten ins Programm inkludiert wurden, werte ich als wichtiges Zeichen. Und ich sehe auch, dass sich die Berichterstattung über die World Games in den vergangenen Jahren signifikant erhöht hat. Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir auf diesem Weg weitergehen, und kann versichern, dass die Athletinnen und Athleten sehr offen dafür sind, jegliche Unterstützung zu leisten, die notwendig ist.
Deutscher Engagementpreis 2026 – jetzt abstimmen für Sportdeutschland
Der Deutsche Engagementpreis ist der Dachpreis für Engagementpreise in Deutschland und wird seit 2024 von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) ausgetragen. Zur Abstimmung des diesjährigen Publikumspreises, der mit insgesamt 22.500 Euro dotiert ist, stehen knapp 500 nominierte Projekte und Personen, die bereits einen Preis für ihr Engagement erhalten haben. Abgestimmt werden kann bis zum 29. Oktober, 17:59 Uhr, mit bis zu drei Stimmen pro Person. Zum kostenlosen Publikumsvoting geht es hier.
Unter den Nominierten sind auch zahlreiche Engagements aus dem Sport – die etwa bei den „Sternen des Sports“ oder beim Vereinspreis „Sport mit Haltung" gewürdigt wurden. Ein paar dieser Engagements stellen wir hier vor.
Jetzt abstimmen für Engagements aus Sportdeutschland
Das Ehrenamt neu denken und nachhaltig stärken
Die Turngemeinde Herford von 1860 zeigte mit einer großangelegten Ehrenamts-Kampagne, wie ehrenamtliches Engagement nachhaltig gestärkt und gleichzeitig Teilhabe und Anerkennung ermöglicht werden können. Unter dem Motto „Vereinsheld 2025“ fördert der Verein vor allem junge Ehrenamtliche und ermutigt sie dazu, sich langfristig zu engagieren. Die Initiative basiert auf sechs Säulen – von Netzwerktreffen über Qualifizierungsformate bis hin zur finanziellen Förderung. Für dieses Engagement wurde der Verein mit dem „Großen Stern des Sports“ in Gold geehrt. Jetzt abstimmen für die Turngemeinde Herford von 1860.
Sport als Raum gesellschaftlicher Verantwortung
Unter dem Leitmotiv „Willkommen im Gleisdreieck“ engagiert sich die Fußballabteilung des ESV Olympia Köln seit mehreren Jahren klar für demokratische Werte und gegen Menschenfeindlichkeit. Maßnahmen wie ein Kinder- und Jugendschutzkonzept, ein Antidiskriminierungs-Leitfaden, Schulungen und benannte Ansprechpersonen schaffen nachhaltige Strukturen und stärken den Zusammenhalt im Verein. Dafür wurde der Verein vom Bundeskanzleramt und der Deutschen Sportjugend mit dem Vereinspreis „Sport mit Haltung“ ausgezeichnet. Jetzt abstimmen für die Fußballabteilung des ESV Olympia Köln.
Sportmilliarde: So werden die Gelder für Schwimmbäder verteilt
Am 23. September hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die geförderten Projekte des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ (SKS - Schwimmbäder) bekanntgegeben. Das Programm ist ein Ableger des allgemeinen SKS-Programms, mit dem sanierungsbedürftige Sportstätten in ganz Deutschland aus Bundesmitteln gefördert werden und spezialisiert sich – wie der Name verrät – auf Schwimmbäder. Im allgemeinen SKS-Programm sind dagegen alle Arten von Sportstätten (Hallen, Plätze, Vereinsheime und auch Schwimmbäder) antrags- und förderberechtigt.
Für das allgemeine SKS-Programm wurden in der ersten Förderphase im Frühjahr 2026 bereits 329 Millionen Euro an über 300 Projekte verteilt, das Schwimmbad-Programm erhöht diese Gesamt-Fördersumme nun um 247 Mio. Euro.
Bereits fest eingeplant ist zudem eine zweite Runde des SKS-Programms mit vom Bund veranschlagten 333 Mio. Euro. Die Antragsphase dazu soll noch Ende Oktober 2026 starten. Damit lägen die Fördermittel der drei Programmrunden bei über 900 Millionen Euro. Demgegenüber steht ein vom DOSB bezifferter Sanierungsstau bei Sportstätten von mindestens 31 Milliarden Euro.

