Gemeinsam für den größten Moment: Olympia-Aktionsspieltag in NRW
Pünktlich zum Versand der Briefwahlunterlagen für die Ratsbürgerentscheide am 19. April zeigten die Profifußballvereine aus NRW eindrucksvoll Flagge: Ob beim Bundesliga-Spitzenspiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und dem FC Bayern München oder bei den Heimspielen der Teams aus der dritten Liga.
Die Aktionen in den Stadien und Arenen Nordrhein-Westfalens standen ganz unter dem Motto „Gemeinsam für den größten Moment“. Gebrandete Eckfahnen, Banner auf dem Spielfeld, Einlaufaktionen sowie Trikot-Badges und eine umfassende digitale Kommunikation machten die Olympiabewerbung sicht- und erlebbar.
Der BVB empfing eine Vielzahl olympischer und paralympischer Athlet*innen im Dortmunder Westfalenstadion, darunter Timo Boll, Frank Busemann, Christina Honsel sowie den Para-Schwimmer Maurice Wetekam. Im Mittelpunkt standen außerdem die Medaillengewinner*innen der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina: die Bobfahrerinnen Laura Nolte und Deborah Levi sowie Skeletoni Axel Jungk. Gemeinsam mit den BVB-Profis versammelten sich alle Gäste vor Spielbeginn zu einem großen Mannschaftsfoto. Zudem begleiteten Kinder die BVB-Profis beim Einlaufen auf das Spielfeld und trugen dabei sowohl Ausrüstungen verschiedener olympischer Sportarten als auch spezielle Einlaufshirts mit der Botschaft des Tages: Gemeinsam für den größten Moment.
Bereits am 7. März rückte das Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund in den Mittelpunkt der Bewerbung. Während der Halbzeit gab es ein Interview mit den Olympioniken Marina Hegering und Jonas Reckermann. Am Aktionswochenende engagierten sich zusätzlich die Effzeh Frauen. Zu diesem Anlass kamen Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und die Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann zu Besuch.
„Der DOSB ist der Mittler, der das Team D zum Austausch zusammenbringt“
Sie waren einander noch nie begegnet, und trotzdem hatten Lisa Nolte und Patrick Beckert sofort einen Draht zueinander. Die Kapitänin der Hockey-Nationalmannschaft und der fünfmalige Olympiateilnehmer im Eisschnelllauf waren vom DOSB gebeten worden, ihre Erfahrungen mit dem Dachverband des deutschen Sports zu schildern. Und schnell waren sich die 25 Jahre alte Krefelderin, die seit acht Jahren für den Düsseldorfer HC in der Bundesliga spielt, und der 35 Jahre alte Erfurter einig: Während Olympischer Spiele ist der DOSB sehr präsent, zwischen den Spielen aber wünschen sich beide noch mehr Kontakt. Wie das gehen könnte, erörtern die beiden im Interview.
DOSB: Wenn ihr die Abkürzung DOSB hört oder das Logo seht, was ist eure erste Assoziation damit?
Patrick Beckert: Ich verbinde mit dem DOSB die Nationalmannschaft und die Olympischen Spiele. Im Alltag ist der Fachverband präsenter, da gibt es mit dem DOSB nicht so viele Berührungspunkte. Aber all die Erfahrungen, die ich bei fünf Olympischen Spielen sammeln durfte, die Nominierungen dafür, und auch das Thema Förderung sind für mich eng mit dem DOSB verbunden.
Lisa Nolte: Ich durfte ja erst einmal an Olympischen Spielen teilnehmen, aber auch für mich ist Olympia die erste Verbindung, die mir im Zusammenhang mit dem DOSB in den Kopf kommt. Die Spiele sind das größte Ziel, auf das wir hinarbeiten, und dabei hat der DOSB die größte Rolle.
Könnt ihr euch daran erinnern, wann ihr euch zum ersten Mal über die Rolle des DOSB bewusst geworden seid?
Lisa: Bei mir war das vor den Spielen 2024 in Paris der Fall. Vorher hatten wir keine Berührungspunkte. Aber als ich rund um die Nominierung für die Sommerspiele verstanden habe, welche Möglichkeiten der DOSB bietet und welche Themenvielfalt er abdeckt, hat das meinen Bezug zum Dachverband deutlich vergrößert.
Patrick: Auch bei mir war es so, dass ich vor meinen ersten Spielen 2010 in Vancouver nicht wusste, was der DOSB tut und wofür er steht. Eine Vorbereitung darauf seitens des Fachverbands gab es nicht, die Unterscheidung der Aufgabengebiete zwischen der DESG und dem DOSB ist mir erst durch meine erste Olympiateilnahme deutlicher klar geworden. Ganz wichtig ist dabei der persönliche Kontakt vor Ort gewesen. Wenn man seine Ansprechpersonen kennt und weiß, an wen man sich wenden kann, versteht man viel eher, wo die Zuständigkeiten liegen und was die Aufgaben des DOSB sind.
Welche Bedeutung hat für euch als Spitzenathlet*innen generell die Arbeit von Verbänden, was bekommt ihr davon überhaupt im Alltag mit?
Patrick: Bei uns entscheidet der Fachverband über die Förderung, die Auswirkungen seiner Arbeit sind deshalb sehr bedeutend, die Vorgaben der DESG sind essenziell für den Verlauf einer Karriere. Was ein Sportdirektor oder eine Sportdirektorin entscheidet, hat sehr großen Einfluss auf das, was der oder die Einzelne erreichen kann. Das geht bis zu Vorgaben dazu, wo oder bei wem man trainieren muss. Der Fachverband hat sehr viel Macht, manchmal vielleicht sogar zu viel. Ich bin der Meinung, dass der DOSB da trotz des Rahmens der Verbandsautonomie manchmal stärker als Kontrollorgan fungieren und die Athletinnen und Athleten viel mehr einbinden sollte. Das wäre eine Möglichkeit, um ihn im Alltag noch deutlicher wahrnehmen zu können.
Lisa: Bei uns im Teamsport Hockey ist das etwas anders, wir spielen die meiste Zeit unter der Obhut unserer Vereine und haben mit dem Fachverband DHB nur während der Maßnahmen mit dem Nationalteam eine enge Verbindung. Ich sehe die wichtigste Aufgabe von Verbänden darin, dass sie Rahmenbedingungen schaffen, unter denen wir unsere beste Leistung abrufen können. Ein Dachverband arbeitet ja eigentlich am besten, wenn man ihn im Alltag gar nicht richtig bemerkt. Ein regelmäßiger Austausch ist wichtig für eine unkomplizierte Zusammenarbeit.
„Sport ist ein wahnsinnig attraktives Feld für Partner, um sich zu entfalten“
DOSB: Claudia, nach acht Jahren als Geschäftsführerin und gut 14 bei der DSM insgesamt hast du Ende dieser Woche deinen letzten Arbeitstag. Welche Gefühle dominieren, wenn du daran denkst?
Claudia Wagner: Ich gehe zum Glück sehr entspannt in diese letzten Tage. Seit meine Entscheidung feststeht, hatte ich Phasen, in denen ich mit Sorge auf diese Zeit geblickt habe, weil ich nicht sicher war, wie hart mich der Abschied trifft. Rund um die Olympischen und Paralympischen Spiele haben wir alle extrem viel zu tun, da geht es darum, unseren Partnern einen erfolgreichen Auftritt entsprechend ihrer Unternehmensziele zu ermöglichen und uns neu dafür aufzustellen, weitere Gelder einzuwerben. Aber ich hatte das Glück, meine letzte Dienstreise zu den Paralympics nach Italien machen zu können, die seit meinen ersten Spielen 2012 in London eine echte Herzensangelegenheit für mich sind. Ich bin sehr eng mit dem Team Paralympics verbunden, umso mehr konnte ich diese Zeit wertschätzen. Ich genieße es aber auch sehr, dass ich meine letzten Arbeitstage mit meinem Team abschließen kann. Aber da du gefragt hast, welche Gefühle dominieren, antworte ich: Dankbarkeit, Glück und durchaus auch Zufriedenheit mit dem, was wir erreicht haben.
Natürlich fragen sich viele, warum du ausgerechnet in einer Phase, in der die Marke Team D etabliert ist und sich eine Bewerbung um Olympische und Paralympische Heimspiele ankündigt, deinen Traumjob im deutschen Sport aufgibst. Wie lautet die Antwort darauf?
Das war tatsächlich ein sehr harter Schritt, über den ich lange nachgedacht und sehr viel abgewogen habe. Ich bin sehr stolz auf alles, was wir erreicht haben. Dass wir über Jahre verlässlich Gelder an den DOSB und DBS übermitteln und in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld in den vergangenen Monaten einen neuen Autopartner aufgleisen und die Bekanntheit der Marke Team D um knapp 15 Prozent steigern konnten. Dass wir im internationalen Kontext olympisch und paralympisch als NOK und NPC mit unserer Arbeit andere Länder inspirieren können, ist besonders. Aber für mich ist das Kapitel in dieser Rolle an dem Punkt auserzählt, ohne dass meine Verbundenheit dazu geschmälert wäre. Ich habe gespürt, dass in mir der Wunsch besteht, beruflich einen Schritt weiterzukommen, mich noch breiter aufzustellen und zu schauen, was die Welt noch so zu bieten hat.
Du übernimmst zum 1. April in der ADAC Motorsport GmbH als Geschäftsführerin die Rolle des Chief Finance und Chief Commercial Officers. Was reizt dich daran?
Ich glaube, dass ich mich im ADAC in einem neuen Team und einem anderen Umfeld noch einmal entscheidend weiterentwickeln und meine Expertise einbringen kann. Der Job hat mich stets gefordert und inspiriert, zuletzt das Aufgleisen der Wirtschaftsinitiative zur Unterstützung unserer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele. In mir ist aber über längere Zeit das Gefühl gereift, dass mein Weg noch weitergehen kann. Ich wollte einfach eine klare Veränderung, ich werde auch nach München ziehen und noch einmal ein ganz neues Kapitel beginnen. Ich bin im vergangenen Jahr 50 geworden, vielleicht spielt auch das eine Rolle, dass mir klar wurde: Wenn du noch einmal etwas anderes machen willst, dann jetzt.
Blicken wir einmal 14 Jahre zurück auf deine Startphase bei der DSM. Hattest du damals eine persönliche Agenda, hattest du Meilensteine im Kopf, die du unbedingt setzen wolltest?
Überhaupt nicht. Hätte man mir damals aufgezeigt, wo ich heute mit der DSM stehe, hätte ich das niemals geglaubt. Ich hatte das Glück, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem ich sehr viel entwickeln konnte, aber auch sehr viel zurückbekommen habe für meine eigene Entwicklung. 2012 habe ich als Head of Medien & Kommunikation angefangen, auf dem Posten, den jetzt in neuer Form Jens Behler-Lops innehat. Damals haben wir zum ersten Mal eine Team D Website gelauncht, wir haben erste Gehversuche auf Instagram und bei Facebook gemacht und angefangen, die Logos unserer Partner auf unseren digitalen Kanälen einzubinden, um ihnen eine Sichtbarkeit im digitalen Raum zu geben und damit Vertragswerte zu steigern. Heute erzielen wir Millionen-Reichweiten, bei den Winterspielen in Italien haben wir die Kontakt-Milliarde geknackt. In meiner Startzeit hatten wir einen Medienpartner, der exklusiv Bewegtbild aus dem Deutschen Haus produziert hat. Heute haben wir dort eine immense Öffentlichkeitswirkung, weil wir alle Live-Inhalte von dort teilen. Wir haben sukzessive das Portfolio digitalisiert, in Vermarktungsideen übersetzt und auch eine Bindung mit den Athletinnen und Athleten erzeugt, die es früher überhaupt nicht gab. Die Markenbildung von Team D hat ein ganz neues Commitment geschaffen, von dem alle Partnerschaften profitiert haben und bis heute profitieren.
Was waren aus deiner Sicht die wichtigsten Meilensteine deiner Arbeit?
Die Marke Team D in dieser Form umgesetzt zu haben, war sicherlich der wichtigste Schritt. 2018 ist diese Marke erstmals olympisch ausgerollt worden, und bis dahin war es ein harter Weg, denn man braucht dafür finanzielle Mittel, treue Partner und einen Verband, der geschlossen dahinter steht. Für mich ist Team D eine echte Love Brand geworden, hinter der sich alle im deutschen Sport versammeln können. Weg vom institutionellen, starren Rahmen hin zu einem gelebten Selbstverständnis. Das Team D ist ein verbindendes Element in einer Sportstruktur, die sich manches Mal mehr beißt als verträgt. Wir versammeln uns heute hinter einer Gesamtkonstruktion, die die größte Nationalmannschaft Deutschlands darstellt – olympisch und paralympisch. Und besonders erfüllt es mich zu sehen, dass wir auch die Jugend angeregt haben, unbedingt Teil dieses Teams werden zu wollen. Ich erlebe mit großer Freude, wie sich alles ineinanderfügt und sportartenübergreifend funktioniert, und das weit über die Spiele hinaus. Dass wir diese Marke für olympische und paralympische Athletinnen und Athleten gleichermaßen entwickelt haben, hat im Kerngeschäft sehr viel bewirkt. Die Augenhöhe, die wir dort hergestellt haben, ist für beide Seiten eine enorme Wertschätzung und für mich persönlich die vielleicht wichtigste Weiterentwicklung.
Welche Bedeutung hat dabei das Deutsche Haus, das du in deiner Zeit zu einem DSM-Vorzeigeprojekt hast ausbauen können?
Das Deutsche Haus ist seit jeher der zentrale Treffpunkt für das Team und seine Gäste. Wir haben es aber über die Jahre in Funktion, Reichweite und Bedeutung immens ausbauen können - von der reinen Hospitality-Plattform zu einem Hotspot, der die Bedarfe aller Stakeholder vereint. Eines für alle(s), wie wir sagen. Paris 2024 zum Beispiel war sensationell und nichts weniger als ein Meilenstein in der Entwicklung der Plattform. Das Deutsche Haus in einem Rugbystadion umzusetzen, mit großer Fanzone, mit Livekonzerten auf einer Showbühne, war eine sehr mutige, aber absolut richtige Entscheidung. Wir hatten insgesamt 57.000 Besucher dort und konnten dadurch eine Atmosphäre und ein Gesamterlebnis für Team D schaffen, das es bis dahin nicht gegeben hat. Das Vertrauen des Präsidiums und des Vorstands in unsere Idee und Arbeit war unglaublich. Dem Haus nicht nur die Strahlkraft zu verleihen, die man live oder am Bildschirm erleben konnte, sondern das Projekt auch wirtschaftlich gut aufzustellen, war eine sehr sportliche Aufgabe. Dass uns das perfekt gelungen ist und der Auftritt auch international große Beachtung gefunden hat, macht mich stolz. Ich möchte aber auch die Einkleidung von Team D hervorheben, die wir seit einigen Jahren als mehrwöchige Veranstaltung und attraktive Erlebniswelt inszenieren, was total trägt. Die Einkleidung ist eine etablierte Plattform und Wertschätzung für unser Team D, aber auch eine essenzielle Aktivierungsmöglichkeit für die Wirtschaftspartner, Content-Maschine und medialer sowie emotionaler Kick-Off kurz vor Abreise zu den Olympischen und Paralympischen Spielen.

