Ein Abend, der den Glauben an das Gute im Sport stärkte
Als Tabea Frohn ihre Rührung in Worte fasste, wurde es still in der Rotunde des Biebricher Schlosses. Mit Tränen in den Augen bedankte sich die Triathletin vom SC 53 Landshut in bewegenden Worten dafür, dass sie den Fair Play Preis des Deutschen Sports in der Kategorie Sport entgegennehmen durfte. Gestiftet wird die nicht dotierte Auszeichnung jährlich vom Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Verliehen wird sie seit 2016 im Rahmen des Biebricher Schlossgesprächs, zu dem die Deutsche Olympische Akademie (DOA) und das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) als Veranstalter am Donnerstagabend rund 130 Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur zum zwölften Mal nach Wiesbaden geladen hatte. „Wir sind sehr dankbar, in solch einem würdigen Ambiente diese wichtigen Preise verleihen zu können“, sagte die DOA-Vorstandsvorsitzende Miriam Welte, Bahnrad-Olympiasiegerin und Mitglied des DOSB-Präsidiums, in ihrer Begrüßungsrede.
Schon Tage vor der Verleihung war Tabea Frohn „super aufgeregt“ gewesen, sie hatte in ihrem Kopf hin- und herbewegt, „was ich sagen will, wen ich treffen werde und wie das alles wohl werden wird. Ich bin eine Person aus einem kleinen Dorf, für mich ist so eine Auszeichnung neu und ungewohnt“, sagte sie im Vorgespräch mit dem DOSB. Und dann trat die 26-Jährige, die aus Bayern stammt und vor rund zwei Monaten aus beruflichen Gründen von Landshut nach Heidelberg umgezogen war, so selbstsicher und überzeugend auf, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Insbesondere ihr Appell für mehr Mut und Einsatz im Umgang mit Notfällen beeindruckte. „Wenn jemand Hilfe benötigt, geht es nicht darum, dass man alles richtig machen muss. Der einzige Fehler wäre, gar nichts zu tun“, sagte sie.
Erst beim Start der Wiederbelebung erkannte sie ihre Freundin
Natürlich könnte man einwenden, dass es Tabea Frohn als ausgebildeter Kinderkrankenschwester, die in der Heidelberger Universitätsklinik auf der Kinderintensivstation arbeitet, leichter gefallen sein dürfte als „normalen“ Menschen, an jenem 22. Juni 2025 die Aktion durchzuführen, für die sie am Donnerstag ausgezeichnet wurde. Auf dem Triathlon-Cup in Landshut hatte sie auf ihrem allerersten Mitteldistanz-Rennen auf der zweiten Runde der Laufstrecke eine Person in einem Graben liegen sehen, reglos und mit dem Gesicht im Wasser. „Viele sind einfach vorbeigelaufen. Für mich gab es keine Sekunde Zweifel, dass ich helfen musste. An meinen Wettkampf habe ich gar nicht mehr gedacht, der war mir in dem Moment vollkommen egal“, erinnert sie sich.
Dass die Person eine Vereinskollegin war, mit der Tabea Frohn gut befreundet ist und deren Identität zum Schutz der Privatsphäre geheim gehalten werden soll, wurde ihr erst klar, als sie bei ihr angekommen war und mit der Wiederbelebung begann. „Ich hatte aber gar keine Zeit, darüber nachzudenken, ich musste schnell handeln.“ Nachdem der Rettungswagen die Verunglückte abtransportiert hatte, entschied sich die Hobbyathletin nach einigen emotionalen Minuten zur Fortsetzung des Rennens. „Ich habe mir gedacht, ich bringe es für uns beide zu Ende, weil ich weiß, wie sehr sie auch für den Triathlon brennt. Freude hat es nicht gemacht, aber ich brauchte es, um runterzukommen.“ Nach dem Zieleinlauf fuhr sie per Fahrrad in die Klinik, um dort zu erfahren, dass die Freundin einen Hinterwandinfarkt erlitten hatte, aber stabilisiert werden konnte. „Mittlerweile hat sie sich gut erholt und darf auch wieder Sport treiben!“
Tabea Frohn würde „immer wieder so handeln”
Fast ein Jahr nach dem Vorfall schaut Tabea Frohn, die 2020 ihrer Mutter, einer Langstrecken-Triathletin, nacheiferte und im Triathlon etwas gefunden hat, „in das ich meine komplette Leidenschaft investiere“, mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Stolz auf ihre Auszeichnung. „Als ich hörte, dass ich einen Preis bekommen soll, war das für mich erst einmal total unwirklich, weil mein Handeln für mich eine Selbstverständlichkeit war. Aber jetzt freue ich mich riesig darüber und hoffe, dass die Auszeichnung dazu beitragen kann, mehr Menschen einen Anstoß zu geben, in Notsituationen einzugreifen oder einen Erste-Hilfe-Kurs zu machen, um sich besser vorbereitet zu fühlen.“ Ihre Laudatorin, das im vergangenen Jahr zurückgetretene Triathlon-Nationalkadermitglied Marlene Gomez-Göggel (33), sagte in ihrer Rede, die vielen Tränen in die Augen trieb: „Für Tabea war etwas selbstverständlich, was leider nicht mehr selbstverständlich ist: Den eigenen Erfolg hinter den Einsatz für andere zu stellen. Das ist vorbildlich!“
Tabea Frohn selbst glaubt im Übrigen nicht, dass ihre eigene Expertise entscheidend war, um damals einzugreifen. „Ich bin zum Glück so erzogen worden, dass es selbstverständlich ist, Menschen zu helfen, die Hilfe brauchen“, sagte sie mit Blick auf ihre Eltern und ihren Bruder, die in Wiesbaden den besonderen Moment mit ihr gemeinsam erleben konnten. Wie wenig selbstverständlich dieses Handeln heute ist, bekam sie im Winter dieses Jahres eindrücklich vor Augen geführt. Bei einem Laufevent im Münchner Olympiapark kollabierte auf der Hälfte der 15-Kilometer-Distanz ein Mann neben ihr. 20 Minuten reanimierte Tabea Frohn den Unbekannten, ehe er von Rettungskräften übernommen und abtransportiert werden konnte. „Leider weiß ich nicht, was aus ihm geworden ist. Man sagte mir, dass seine Familie meine Daten bekommen hat, aber es hat sich nie jemand gemeldet.“ Ihrer Hilfsbereitschaft tut derlei mangelnde Wertschätzung aber keinen Abbruch. „Ich würde immer wieder so handeln. Und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich heute hier stehen und diesen Preis entgegennehmen kann!“
DOSB zeigt Interesse an Ausrichtung der Europaspiele 2031
Nach Gesprächen mit den European Olympic Committees (EOC) hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sein grundsätzliches Interesse an der Ausrichtung der European Games 2031 bekundet. Dazu wurde fristgerecht zum 31. Mai ein „Letter of Interest“ eingereicht, der den Aussteller an keinerlei Verpflichtungen bindet. Eine Festlegung auf eine mögliche Ausrichterstadt ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht angedacht. Die Entscheidung über die Vergabe der Europaspiele für 2031 soll im zweiten Quartal 2027 fallen, geplant ist die Übergabe der Ausrichterfahne bei der vierten Auflage der European Games im Juni 2027 in Istanbul. Für den DOSB wäre die Ausrichtung mit Blick auf die Nationale Strategie Sportgroßveranstaltungen interessant, weil sie sich gut in die Perlenkette mit dem Ziel der Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele in Deutschland im Zeitraum 2036 bis 2044 einreihen würde. Die Priorität des DOSB liegt in den kommenden Monaten aber auf der Auswahl des nationalen Kandidaten, die auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September in Baden-Baden getroffen wird.
Die Europaspiele wurden als Kontinentalwettbewerb im Jahr 2015 und damit deutlich später etabliert als die vergleichbaren Formate Asian Games, African Games, Pan American Games und Pacific Games, die zwischen 1950 und 1965 entstanden. Die Premiere fand in Aserbaidschans Hauptstadt Baku statt, 2019 war Minsk (Belarus) Ausrichter, vier Jahre später war die bisherige Rekordzahl von knapp 6.900 Athlet*innen in Krakau (Polen) zu Gast. Die sportliche Wertigkeit der Veranstaltung hat sich von Ausgabe zu Ausgabe erhöht. In Istanbul sind 26 Sportarten im Programm, 22 davon olympisch. In 21 dieser 22 Sportarten werden Quotenplätze für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles vergeben, was ein qualitativ hochwertiges Teilnahmefeld nach sich ziehen dürfte.
„Hitze ist längst kein reines Outdoor-Thema mehr“
DOSB: Liebe Miranda, du bist professionelle Badmintonspielerin und Teil der Nationalmannschaft. Neben deiner sportlichen Karriere engagierst du dich auch für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Sport.
Miranda Wilson: Ja, neben dem Leistungssport engagiere ich mich seit vielen Jahren für Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Sport. 2021 habe ich gemeinsam mit meinem damaligen Trainingspartner Kai Schäfer die Organisation BadmintONEarth gegründet, denn mir ist es wichtig, meine Stimme als Athletin aktiv für Themen zu nutzen, die für unsere Gesellschaft und den Sport essenziell sind - gerade mit Blick auf zukünftige Generationen.
Wenn über Hitze im Sport gesprochen wird, stehen meist Sportarten im Freien im Fokus. Welche Bedeutung hat das Thema inzwischen generell für den Leistungs- und Spitzensport?
Hitze ist längst kein reines Outdoor-Thema mehr. Auch im Leistungs- und Spitzensport spielt sie eine immer größere Rolle, weil sich Trainings- und Wettkampfbedingungen deutlich verändern. In heißen Hallen steigt die körperliche Belastung, die Regeneration zwischen intensiven Einheiten wird anspruchsvoller und das Verletzungsrisiko kann dadurch zunehmen. Deshalb gehört der bewusste Umgang mit Hitze heute fest zur professionellen Trainingssteuerung in allen Sportarten.
Inwiefern erleben Badmintonspieler*innen die Auswirkungen von Hitze bei Training und Wettkämpfen?
Auch im Badminton merken wir die Auswirkungen deutlich, vor allem bei Turnieren in den Sommermonaten oder in wärmeren Regionen wie Süd- und Ostasien. Hallen ohne Klimatisierung können sich stark aufheizen, die Luft steht oft und Spiele werden dadurch noch intensiver. Zusätzlich verändern sich die Flugeigenschaften des Federballs je nach Temperatur, was eine taktische Anpassung des Spiels erfordert. In großen, klimatisierten Arenen (häufig in Asien) kommt noch hinzu, dass Luftbewegungen einen sogenannten „Drift“ erzeugen, der das Spiel taktisch komplett verändern kann.
Welche speziellen Herausforderungen bringt Hitze in einer Hallensportart wie Badminton mit sich?
Viele unterschätzen, dass Hallensportarten wie Badminton ebenfalls stark von Hitze betroffen sind. Oft fehlt die Luftzirkulation, und die Wärme bleibt in der Halle „stehen“. Gleichzeitig erfordert Badminton als schnellster Rückschlagsport ein hohes Maß an Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit, was dadurch auch den Kreislauf stark belastet. In einem Wettkampf wird Hitze somit schnell zu einem entscheidenden Leistungsfaktor.

