Internationaler Tag des Immateriellen Kulturerbes
Unsere Sportvereine sind einzigartig. In Deutschland gibt es rund 86.000 von ihnen. Rund zwei Millionen Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich im Vereinssport, sei es als Trainer*in, im Vorstand oder in der Spielleitung. Weitere sechs Millionen Menschen engagieren sich freiwillig, helfen also kurzfristig mit, beispielsweise bei Vereinsfesten. Sportvereine schaffen soziale Räume, bieten eine Vielzahl von Lehr- und Lernmöglichkeiten und fördern das Gemeinwohl.
Im Jahr 2021 hat die Deutsche UNESCO-Kommission die „Gemeinwohlorientierte Sportvereinskultur” in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Heute, am 17. Oktober 2026, wird dieses besondere kulturelle Gut am „Internationalen Tag des Immateriellen Kulturerbes“ nun zum zweiten Mal gefeiert.
„Wir müssen zeigen, dass unsere Arbeit einen konkreten Unterschied macht“
Sportvereine bringen Menschen zusammen: auf dem Platz, in der Halle und im Vereinsleben. Seit fast vier Jahrzehnten setzt das Bundesprogramm „Integration durch Sport“ genau dort an und unterstützt Strukturen, die Begegnung, Teilhabe und Vielfalt im Sport ermöglichen.
Mit der neuen Förderphase 2027–2029 beginnt nun die nächste Etappe. Welche Herausforderungen kommen auf das Programm und den organisierten Sport zu? Darüber und über seine Perspektiven für die kommenden Jahre haben wir mit Christian Bürkel gesprochen.
DOSB: Was macht „Integration durch Sport“ aus deiner Sicht auch nach fast vier Jahrzehnten Programmlaufzeit so relevant?
Christian Bürkel: Für mich liegt die Antwort vor allem darin, dass sich unsere Gesellschaft verändert – und Integration deshalb eine dauerhafte Aufgabe bleibt. Heute leben wir in einer vielfältigeren Einwanderungsgesellschaft, gleichzeitig ist die Debatte über Migration, Zugehörigkeit und Integration deutlich kontroverser geworden. Gerade in dieser Zeit sind Orte, an denen Menschen ganz selbstverständlich zusammenkommen, unglaublich wichtig. Und genau das kann Sport leisten. Im Verein begegnen sich Menschen als Mitspieler*innen, Trainer*innen, Vereinsmitglieder oder Ehrenamtliche. Man erlebt gemeinsam Erfolge, Niederlagen, Freude und manchmal auch Konflikte – und genau daraus entsteht Gemeinschaft. Ich habe in meiner bisherigen Arbeit immer wieder erlebt, dass Menschen über den Sport nicht nur einen Verein finden, sondern ein Stück Zugehörigkeit und manchmal sogar ein neues Zuhause. Das ist für mich die besondere gesellschaftliche Kraft von „Integration durch Sport“.
Ein Jahr Wirtschaftsinitiative „Spiele in Deutschland“
Heute vor genau einem Jahr hat sich die Wirtschaftsinitiative „Spiele in Deutschland“ mit einem gemeinsamen Impuls aus der deutschen Wirtschaft an die Öffentlichkeit gewandt. Was damals unter der Federführung von DOSB-Präsidiumsmitglied Michael Mronz und der Deutschen Sport Marketing (DSM) mit rund 30 Unternehmen begann, ist heute ein gewachsenes Bündnis aus 44 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen, das die Bewerbung kommunikativ, ideell und finanziell unterstützt. Gemeinsam steht die Initiative für die Überzeugung, dass sich Olympische und Paralympische Spiele nachhaltig positiv auf Sport, Wirtschaft und Gesellschaft auswirken können.
Die Wirtschaftsinitiative (WI) versteht sich als branchenoffenes Bündnis. Vom Familienunternehmen bis zum internationalen Konzern bringen die Unterstützer ihre Netzwerke, Kommunikationskraft und Perspektiven ein. Die DSM verantwortet die Initiative organisatorisch sowie kommunikativ und schafft Räume für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Sichtbarkeit. „Vor einem Jahr ging es zunächst darum, ein Zeichen des Rückhalts aus der Wirtschaft zu setzen. Heute sehen wir, was daraus entstanden ist: ein starkes und einzigartiges Netzwerk von Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und mitgestalten wollen, indem sie ihre Reichweite und Kontakte für ein gemeinsames Ziel einsetzen“, sagt DSM-Geschäftsführer Dirk Schlünz. „Dafür möchte ich allen Unterstützern ganz herzlich danken. Gleichzeitig ist für uns klar: Mit dem ersten Jahr ist der Weg nicht abgeschlossen. Jetzt beginnt die nächste Etappe.“
Wirtschaft und Sport ziehen an einem Strang
Nach der Entscheidung des DOSB am 26. September steht München als deutscher Bewerber für Olympische und Paralympische Spiele 2036, 2040 oder 2044 fest. Damit beginnt der nächste Abschnitt auf dem Weg zu einer möglichen Austragung der Spiele in Deutschland.
Michael Mronz, betont dabei die große Bedeutung des Supports aus der Wirtschaft: „Eine erfolgreiche Bewerbung braucht ein starkes Fundament, das über den Sport hinausreicht. Wenn Unternehmen ihre Überzeugung teilen, ihre Netzwerke einbringen und sich gemeinsam für diese Idee einsetzen, entsteht ein Rückhalt, der auf dem weiteren Weg entscheidend sein wird. Die Wirtschaftsinitiative verdeutlicht, dass die Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele eine gemeinsame Aufgabe ist, die Sport und Wirtschaft miteinander verbindet.“
Dabei verleiht die Wirtschaftsinitiative der Bewerbung als wichtiger Multiplikator vor allem auch kommunikativ Rückenwind. Wie groß die gemeinsame Wirkung sein kann, zeigte sich rund um die Außerordentliche Mitgliederversammlung des DOSB Ende September: Die konzertierten LinkedIn-Aktivitäten erzielten zu diesem Anlass eine organische Reichweite von mehr als 400.000 Impressions. Darüber hinaus tragen die beteiligten Unternehmen mit ihrem Engagement die Idee von möglichen Spielen in Deutschland und die damit verbundenen Chancen über ihre insgesamt rund 1,7 Millionen Beschäftigten und ihre Kunden weit in die Gesellschaft.
Was die Beteiligung an der Wirtschaftsinitiative für die Unternehmen konkret bedeutet, macht Carsten Knobel, Vorstandsvorsitzender von Henkel, deutlich: „Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland wären eine Chance, die weit über den Sport hinausgeht. Sie können Menschen begeistern, unser Land verbinden und wichtige Impulse für die Zukunft Deutschlands setzen. Das erste Jahr der Wirtschaftsinitiative hat gezeigt, was möglich ist, wenn Wirtschaft, Sport und Gesellschaft gemeinsam an einer Vision arbeiten. Dass sich heute 44 Unternehmen hinter diesem Ziel versammeln, ist ein starkes Signal. Wir freuen uns, Teil dieser Initiative zu sein und den weiteren Weg mitzugestalten."
