Grüner Weg 1, 27793 Wildeshausen

Raphael Kandra kämpft für die Realisierung seines Kindheitstraums

Er hat die olympische Bühne noch nie bespielen dürfen. Aber die Kraft, die von den fünf Ringen ausgeht, die spürt Raphael Kandra an jedem Arbeitstag. Seit im Herbst 2023 seine Sportart Squash ins Programm der Sommerspiele 2028 in Los Angeles aufgenommen wurde, dreht sich in dem Mitte des 19. Jahrhunderts in England entstandenen Rückschlagsport auf Hochleistungsebene fast alles darum, die Qualifikation für die Olympiapremiere zu schaffen. „Es ist unübersehbar, wie krass der Fokus weltweit auf Los Angeles liegt“, sagt der 35-Jährige, der sich dem Reiz der ersten Teilnahme auch nicht entziehen kann. „Vor drei Jahren hatte ich das Ende meiner Karriere früher kommen sehen. Mit der Möglichkeit, doch noch Olympische Spiele als Athlet erleben zu können, hatte ich niemals gerechnet. Aber mit der Aussicht auf ein Ticket für Los Angeles gebe ich natürlich noch einmal alles, um das zu erleben“, sagt er.

Und das ist gut so, denn zum Aufhören ist der gebürtige Fürther noch viel zu gut. Auf Rang 39 ist Raphael, der 2019 als erster Deutscher den EM-Titel gewinnen konnte, der einzige Team-D-Athlet in den Top 100 der Weltrangliste. Bei der Team-EM, die von diesem Mittwoch bis Samstag in Amsterdam (Niederlande) ansteht, führt er die deutschen Männer an. Eine Woche darauf reist er als einziger deutscher Starter zur Einzel-WM nach Gizeh (Ägypten), für das 64er-Feld hat er einen der 48 direkten Startplätze dank seiner Weltranglistenposition sicher. Ihn als Aushängeschild des Deutschen Squash-Verbands (DSQV) zu bezeichnen, wäre fast schon untertrieben.

Und dennoch ist der Weg nach Kalifornien ein extrem steiniger. Für die Einzelwettkämpfe sind pro Geschlecht nur 16 Teilnehmende zugelassen, eine Doppelkonkurrenz gibt es nicht. „Uns bricht es das Herz, wenigstens 32 hätten wir uns schon gewünscht, damit möglichst viele Athletinnen und Athleten diese Premiere erleben könnten“, sagt er. Da pro Nation nur maximal zwei Starter*innen pro Geschlecht gestattet sind, stehen die Chancen zwar deutlich besser, als wenn aus führenden Ländern wie Ägypten unbegrenzt Teilnehmende erlaubt wären. Der komplizierte Qualifikationsmodus allerdings erschwert die Lage dahingehend, dass lediglich die Top acht der Weltrangliste zum Stand im Mai 2028 direkt qualifiziert sind. Dazu kommen eine Wildcard für Gastgeber USA, die Sieger von fünf kontinentalen Meisterschaften, die in Europa 2027 im Rahmen der European Games in Istanbul (Türkei) ausgespielt wird und für die maximal zwei Aktive pro Nation und Geschlecht zugelassen sind, sowie die Sieger eines letzten Qualifikationsturniers und jeweils eine Person aus einer „kleinen Nation“, sofern diese zum Bewertungszeitpunkt unter den besten 50 der Welt stehen.

Als 16-Jährigem war ihm klar, dass er in die Bundesliga wollte

„Mir ist schon klar, dass es für mich in der Weltrangliste noch ein paar Positionen nach oben gehen sollte, damit der DOSB mich auch nominiert. Ich weiß, dass auf meine Ergebnisse sehr geachtet wird“, sagt Raphael. Zusätzlichen Druck will er sich davon jedoch nicht machen lassen. „Ich glaube, dass es machbar ist, aber es muss alles zusammenpassen. Wenn es am Ende nicht reicht, muss ich das hinnehmen, solange ich alles gegeben habe. Aber meine Motivation ist riesig!“ Was auch darin begründet liegt, dass der 16-fache Weltranglisten-Turniersieger weiterhin extrem viel Freude an seinem Sport hat, der schon im Kleinkindalter zu seinem Leben gehörte. „Meine Eltern hatten in Forchheim eine Squashanlage gepachtet, ich war sehr oft mit ihnen dort und musste mich selbst beschäftigen. Nach ein paar Jahren habe ich gemerkt, dass ich auf einem guten Niveau spielte, und habe dann festgestellt, wie viel Spaß es macht, im Sport erfolgreich zu sein“, erinnert er sich.

Wer erfolgreich sein will, braucht Zielstrebigkeit. Raphael Kandra entschied sich als Jugendlicher gegen eine Laufbahn im Fußball und für Squash, als 16-Jähriger war ihm klar: „Ich will in die Bundesliga und in die Sportfördergruppe der Bundeswehr!“ Zunächst jedoch stand, weil in einem Randsport wie dem Squash kein finanzielles Polster lockt, die berufliche Ausbildung im Vordergrund. Nach dem Realschulabschluss absolvierte der 1,82 Meter große Athlet eine Ausbildung zum Werkstoffprüfer in der Fachrichtung Metalltechnik, die direkt nach dem Schulende startete. Ebenfalls nur einen Tag nach der bestandenen Ausbildung startete er seinen Grundwehrdienst, an dessen Ende die Aufnahme in die Sportfördergruppe stand. „Und dort bin ich seitdem, und ich bin extrem dankbar dafür, dass mir die Bundeswehr die Sicherheit gibt, mich voll auf den Sport konzentrieren zu können“, sagt er.

„Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit und ist sofort Gesprächsthema“

Das Schöne an Teams-Calls ist, dass man bisweilen Einblicke bekommt, die bei einem Meeting im Büro oder Konferenzraum verborgen bleiben würden. Jürgen Rank ist im Homeoffice, als das Gespräch mit dem DOSB ansteht, aber man würde eher vermuten, dass er in einem Sportmuseum sitzt. Hinter dem Bayreuther, der seit 2004 für den Branchenführer adidas Fußballtrikots entwirft und mittlerweile das internationale Team als Senior Design Director leitet, hängen gerahmte Fotos von Sportartikeln ebenso wie eine Auswahl an Trikots, die er im Lauf der Jahre mitentwickelt hat. „Ich fühle mich in diesem Raum sehr wohl und vergesse manchmal, dass ich im Homeoffice bin“, sagt der 55-Jährige, ehe er sich den Fragen stellt.

DOSB: Jürgen, du beschäftigst dich schon einen Großteil deines Lebens und seit 22 Jahren auch hauptberuflich mit Trikots. Wie geläufig ist dir das Format Trikottag?

Jürgen Rank: Da muss ich ehrlich sein: Bevor ich für dieses Interview angefragt wurde, war mir der Trikottag nicht bekannt. Jetzt weiß ich, worum es geht, und finde es eine richtig gute Aktion, weil es wichtig ist, die Arbeit zu würdigen, die in den vielen Sportvereinen geleistet wird.

Trikots sind ein wichtiger Faktor, um visuell ein Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühl auszudrücken, ob man Fan ist oder Vereinsmitglied. Welche Bedeutung aber hat ein Trikot für jemanden wie dich, der beruflich damit zu tun hat?

Keine grundlegend andere. Die Identifikation mit einer Gruppe spielt die Hauptrolle. Indem ich ein Trikot bewusst anziehe, will ich damit auch eine Botschaft senden: Dass ich dazugehöre, mich mit dem Verein oder dem Verband identifiziere, dessen Farben ich trage. Wer zum Beispiel im Ausland das Trikot der DFB-Nationalteams trägt, macht damit deutlich: Ich unterstütze den deutschen Fußball. Das Schöne ist, dass man in der Öffentlichkeit viel häufiger angesprochen wird, wenn man ein Trikot trägt, als wenn es ein Shirt oder ein Hoodie ist. Ein Trikot schafft Aufmerksamkeit. Wo auch immer man auf der Welt unterwegs ist, gibt es sofort ein Gesprächsthema. Da bin ich immer wieder überrascht, welche Kraft so ein Stück Stoff haben kann.

Ist Trikotdesigner*in ein Lehrberuf, oder wie wird man das überhaupt?

Da gibt es viele verschiedene Wege. Meiner zum Beispiel war sehr kurvenreich. Ich habe nach dem Hauptschulabschluss zunächst eine Lehre als Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb gemacht. Da war ich 15 Jahre alt und merkte zum Glück schnell, dass das nicht das war, was ich wirklich wollte. Ich habe schon immer gern gezeichnet und habe gespürt, dass ich meine kreative Ader ausleben wollte. Also habe ich die Mittlere Reife nachgeholt, Zivildienst gemacht und in der Zeit viel gezeichnet und zum Beispiel Tattoos entworfen. Mit der Mappe, die über die Jahre entstanden ist, habe ich mich beworben, um in London Kunst und Design zu studieren. Nach der Rückkehr nach Deutschland habe ich in einer Skate-Company gearbeitet. Ich war seit der Kindheit Fußballfan, habe immer Trikots getragen und mir deshalb in den Kopf gesetzt, unbedingt als Designer zu adidas zu wollen. 2004 habe ich mich beworben, es hat zum Glück funktioniert, seitdem mache ich meinen Traumjob. Man kann natürlich auch einfach Modedesign studieren und sich auf Trikots spezialisieren. Aber ich achte bei Neueinstellungen für unser Team nicht in erster Linie darauf, wo oder was jemand studiert hat. Für mich zählt, dass die Menschen Leidenschaft für Fußball und Design mitbringen, denn das ist der entscheidende Faktor dafür, ob etwas gut oder exzellent wird.

In einem Gespräch mit „11 Freunde“ hast du mal gesagt, dass man ein gutes Trikot auch auf einer Hochzeit tragen könne. Was macht heute ein gutes Trikot aus? Das Material, das Design, die Passform?

Oh, darauf könnte ich stundenlang antworten! Aber ich versuche es mal kurz und prägnant: Ein gutes Design, das bei Fans ankommt, sorgt für Aufmerksamkeit und funktioniert auf den ersten Blick, trotzdem sieht es anders aus als das, was man gewohnt ist. Mein Antrieb ist, Neues zu schaffen und gleichzeitig die DNA des jeweiligen Vereins oder Verbands zu bewahren. Ich finde es sehr wichtig, dass ein Trikot eine Geschichte erzählt, über die es eine Tiefe bekommt und Impulse setzt. Dass Material und Passform den höchsten Ansprüchen der Kundschaft genügen, ist selbstverständlich Voraussetzung.

Welchen Stellenwert hat das Design heute gegenüber der Funktionalität, und wie hat sich dieser über die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte verändert?

Von unserem Firmengründer Adi Dassler haben wir in die Wiege gelegt bekommen, dass Funktionalität einen extrem hohen Stellenwert haben muss. Er war ein Pionier auf diesem Gebiet, hat sich sehr viel mit den Bedürfnissen der Athleten beschäftigt und die Produkte danach weiterentwickelt. 1973 hat adidas, damals in Kooperation mit erima, mit der Entwicklung eigener Trikots begonnen. Zur WM 1986 kam erstmals die Climalite-Technologie zum Einsatz, außerdem haben wir damals die Farben unserer Landesflagge in das Nationaltrikot aufgenommen, nachdem es bis dahin nur schwarz und weiß beinhaltet hatte. In meinen Augen war das der Startpunkt dafür, dass Funktionalität und Design wichtige Rollen einnahmen. Über die Zeit kamen immer wieder neue Materialien auf den Markt, die neue Drucke und Grafiken ermöglichten. 2010 haben wir erstmals mit eng anliegender Oberbekleidung experimentiert, was durch Spieler wie Lukas Podolski oder Arjen Robben große Außenwirkung erzielte. Ich glaube, die Kombination aus Funktionalität und Design ist die entscheidende Komponente, die dem Trikot zum Durchbruch als Massenprodukt verholfen hat.

Insbesondere Fußballtrikots werden von Fans in hohen Stückzahlen gekauft. Inwieweit beeinflusst es deine Arbeit, dass diese Trikots einer breiten Masse gefallen müssen?

Kaum. Wir haben seit vielen Jahren Research-Teams, die ganz genau die Trends untersuchen. Unser Anspruch als Marktführer ist, dem Zeitgeist immer einen Schritt voraus zu sein, um mit unseren neuen Kreationen einen Nerv zu treffen. Natürlich wollen wir mit unseren Produkten auch dem Sport und den Athletinnen und Athleten helfen, damit sie sich weiterentwickeln können. Und wenn diese Punkte erfüllt sind, kommt der kommerzielle Erfolg als Begleiteffekt.

Du bist speziell für Fußballtrikots zuständig. Worin unterscheiden sich Trikots in den verschiedenen Sportarten?

Vor allem in der Funktionalität. Zu Beginn meiner adidas-Zeit war ich auch für Rugby zuständig. Da braucht es Trikots, die einer viel höheren Belastung in Zweikämpfen widerstehen, die also deutlich reißfester sein müssen. Aber wir haben auch im Fußball schon teils deutliche Unterschiede, zum Beispiel im Vergleich zwischen Torwarttrikots und denen der Feldspieler. Die Torhüter haben einen ganz anderen Bewegungsablauf, sie springen oft und heben die Arme über den Kopf. Das heißt, sie brauchen längere Trikots, die flexibler sind. Dafür haben sie zum Beispiel elastische Einsätze unter den Armen. Auch im Design kann es zwischen den Sportarten natürlich Unterschiede geben, aber Neuentwicklungen wie zum Beispiel 2006 mit dem legendären „Teamgeist“-Muster übertragen sich auf viele Sportarten gleichermaßen. Und das, was alle Produkte eint, sind die drei Streifen, die es aber in verschiedensten Ausprägungen gibt.

Und worin unterscheiden sich Trikots für Männer und Frauen?

In erster Linie ebenfalls in der Funktionalität. Frauen- und Männerkörper haben unterschiedliche Bedürfnisse, auf die wir uns beim Schnitt und beim Material einstellen. Die Produkte werden selbstverständlich auch separat getestet. Beim Design ist es unterschiedlich. Manche Frauenteams möchten bewusst das Design, das die Männer haben, andere wiederum bestehen eher darauf, sich mit etwas Eigenem abzuheben. Wir versuchen, jedem Anspruch gerecht zu werden.

Erfolgreiche Integration braucht verlässliche Förderung

Der Austausch begann mit einer klaren Botschaft: Wenn Sport seine integrative Kraft entfalten soll, braucht es mehr als Engagement – es braucht verlässliche Förderung. Darüber diskutierten Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung und Praxis beim parlamentarischen Frühstück des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ (IdS) im Berliner Paul-Löbe-Haus.

Rund 30 Teilnehmende, darunter Abgeordnete des Bundestags und ihre Mitarbeiter*innen sowie Vertreter*innen des Bundesministeriums des Innern und für Heimat (BMI) und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF), folgten der Einladung von DOSB und Schirmherrin Aydan Özoğuz, MdB (SPD).

Integration braucht verlässliche Förderung

Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, wie die erfolgreiche Integrationsarbeit im Bundesprogramm langfristig gesichert werden kann – insbesondere mit Blick auf die kommende Förderperiode ab 2027. IdS-geförderte Vereine leisten einen zentralen Beitrag, stoßen jedoch ohne verlässliche Unterstützung an ihre Grenzen. Die Stärke des Bundesprogramms liegt in der Verbindung aus bundesweitem Rahmen und regionaler Verankerung über die Landessportbünde. So entsteht ein tragfähiges System, das Vereine in der Breite erreicht und unterstützt. Eine Kürzung der Mittel würde besonders dort spürbar werden, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird – etwa in sozial belasteten Quartieren und strukturschwachen Regionen.