Aus der zweiten Reihe ins Zentrum des deutschen Triathlons
Mit dem Schwimmen hat alles angefangen. Deshalb klingt es ein wenig nach Understatement, wenn Tanja Neubert behauptet, dass Schwimmen ihre größte Schwäche ist. Die Erklärung dafür schickt die 25 Jahre alte Triathletin allerdings direkt nach. „Ich habe, wie es in Deutschland üblich ist, mit Brustschwimmen begonnen. Darin war ich auch gut, aber beim Umstieg auf den Triathlon musste ich auf Kraul umsatteln, und das ist mir nicht so leicht gefallen.“ Zumindest nicht leicht genug, um sich für eine leistungssportliche Karriere im Becken zu entscheiden. Was im Rückblick ein Segen war, denn seit sie als 15-Jährige über „Jugend trainiert für Olympia“ den Weg in den Dreikampf fand, hat sich die gebürtige Erlangerin Stück für Stück aus der zweiten Reihe in die Weltklasse vorgearbeitet. Sie gilt, wenn an diesem Wochenende die Triathlon-Elite zum Weltserienrennen in der Hamburger Innenstadt zusammenkommt, als eine Athletin, mit der auf dem Podium gerechnet werden darf.
Als einer der kommenden deutschen Stars der Szene eingeordnet zu werden, ist Tanja noch immer hörbar unangenehm. Zumindest dringt ein Seufzer der Überraschung durchs Mobiltelefon, als sie die Frage danach beantwortet. „Es ist ein tolles Kompliment und eine große Anerkennung, dass es mir zumindest einige Leute zutrauen“, sagt sie, „aber aktuell haben wir schon noch andere Athletinnen, die mir voraus sind: Laura Lindemann mit ihrer Erfahrung, Lisa Tertsch mit ihren Erfolgen. Aber ich versuche, mich immer weiter heranzuarbeiten und die Entwicklung der vergangenen Jahre weiterzuführen.“
Durchbruch bei der 70,3-WM im vergangenen November
Ihren Durchbruch, der sie auch international auf die Karte brachte, erlebte die Studentin, die ein Fernstudium des International Managements absolviert, im November vergangenen Jahres, als sie bei der 70.3-WM in Marbella (Spanien) Bronze gewann. Und das auf der Mitteldistanz über 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und einen Halbmarathon, der sie in der Regel die Kurz- und Sprintstrecke vorzieht. „Ich wollte eigentlich nur mal ausprobieren, ob mir das Spaß bringt, doch dann war es ein perfekter Tag und ich durfte das Podium mit Spitzenathletinnen wie Lucy Charles-Barclay und Taylor Knibb teilen. Das war eine megacoole Erfahrung, die mir eine Aufmerksamkeit gebracht hat, die ich von der Kurzdistanz nicht kannte“, sagt sie.
Ihr Fokus liegt allerdings weiterhin klar auf der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. Die Qualifikationsphase für das Ticket nach Kalifornien hat Ende Mai mit dem Weltserienrennen in Alghero (Italien) begonnen, wo sie mit Rang neun überzeugte. „Man merkt, dass seitdem alle wieder deutlich motivierter am Start stehen. Nachdem in der vergangenen Saison einige Topathletinnen pausiert hatten, ist die Konkurrenz in diesem Jahr wieder sehr groß. Aber Los Angeles ist definitiv ein Ziel für mich“, sagt Tanja, die seit 2019 am Bundesstützpunkt in Saarbrücken trainiert und mit ihrem Freund Chris Ziehmer, ebenfalls professioneller Triathlet, auch in der Hauptstadt des Saarlandes lebt.
FAQs: Zentrum für Safe Sport
Mit dem Zentrum für Safe Sport (ZfSS) entsteht erstmals eine unabhängige Einrichtung in Deutschland, die Sportorganisationen bei der Durchführung von Untersuchungs- und Disziplinarverfahren unterstützt. Die folgenden FAQs geben einen Überblick über die geplanten Aufgaben des Zentrums, seine Zuständigkeiten und den Ablauf der Verfahren.
„Du bist nicht nur Sportler, sondern auch ein Stück weit Pionier“
Noch ist Footmesa in Deutschland ein wahrer Geheimtipp. Andreas Peter und Philipp Halbow von der Germania Enkheim arbeiten jedoch seit Jahren daran, das zu ändern. Gemeinsam mit Gleichgesinnten treiben sie die Entwicklung der Sportart voran und gehören mit der deutschen Nationalmannschaft zu den erfolgreichsten Teams Europas. Andreas Peter krönte diese Entwicklung zuletzt bei der Europameisterschaft in San Marino. Dort holte er gemeinsam mit seinem Bruder Michael Bernd den Europameistertitel im Herren-Doppel. Im Oktober folgt mit der Weltmeisterschaft in Rom der nächste Höhepunkt.
DOSB: Euer Sport wird häufig mit Footvolley oder Teqball verwechselt. Was unterscheidet Footmesa von anderen Fußball-Trendsportarten?
Andreas: Eine Verwechslung passiert tatsächlich oft. Footmesa ist aber eine ganz eigene Sportart. Gespielt wird auf einem Tisch, nicht über ein Netz. Rund um den Tisch gibt es keine festen Spielrichtungen. Angriffe und Verteidigung sind aus jeder Richtung möglich. Ähnlich wie beim Spikeball entsteht ein 360-Grad-Spiel. Durch diese Dynamik kommen schnell spektakuläre Ballwechsel zustande und damit auch eine Menge Spielspaß.
In Südamerika ist Footmesa bereits sehr verbreitet, in Europa hingegen nicht. Wie seid ihr zu Footmesa gekommen?
Philipp: Kennengelernt haben wir Footmesa 2017 auf einer Brasilien-Reise. Damals haben wir den Sport an der Copacabana gesehen und waren sofort begeistert. Wir haben ihn gleich selbst ausprobiert, doch gegen die eingespielten Brasilianerinnen und Brasilianer waren wir chancenlos.
Andreas: Wir haben uns gefühlt wie absolute Idioten. (lacht)
Philipp: Stimmt, aber von da an ließ uns die Sportart nicht mehr los.

