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„Wir benötigen beides: erfolgreiche und sympathische Athletinnen und Athleten“

Genau zwei Monate nach dem Ende der Olympischen Winterspiele von Mailand Cortina hat Olaf Tabor am Mittwochnachmittag vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages eine sportliche Bilanz gezogen und mögliche Schritte zur Verbesserung der Leistungssportförderung skizziert. „Wir zählen im Wintersport weiterhin zur Weltklasse, müssen aber dennoch etwas nachlegen, weil wir unsere sportlichen Ziele verpasst haben“, sagte der im Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für den Geschäftsbereich Leistungssport zuständige 55-Jährige in Berlin. Das Team D, das mit 185 Athlet*innen in 15 Disziplinen angetreten war, hatte in Norditalien auf Rang fünf des Medaillenspiegels die angepeilte Top-drei-Position ebenso nicht erreicht wie die Anzahl der 2022 in Peking (China) gewonnenen Medaillen. Vor vier Jahren waren es 27 gewesen, davon zwölfmal Gold, was zu Gesamtrang zwei gereicht hatte, diesmal kamen mit je achtmal Gold und Bronze sowie zehnmal Silber 26 Plaketten zusammen.

„Ich habe großen Respekt vor den Leistungen und der Arbeit des gesamten Teams. Olympische Spiele sind ein sehr positiv besetztes Thema, sie haben in Deutschland so viele Unterstützer wie lange nicht, und das hat auch das IOC zur Kenntnis genommen“, sagte Thomas Weikert, der der Politik für die in vielen Vor-Ort-Besuchen in Norditalien sichtbar gewordene Wertschätzung dankte. Olaf Tabor legte in seinem Vortrag Wert auf eine differenzierte Analyse, in der er betonte, dass sportlicher Erfolg auch in Zukunft unerlässlicher Bestandteil gelungener Olympischer Spiele sein müsse. „Daraus entsteht der Funke, der auf die Fans überspringt. Ohne erfolgreiche Athletinnen und Athleten wird es nicht funktionieren. Aber es geht mittlerweile um mehr als Medaillen“, sagte er.

Eine Umfrage nach dem Ende der Winterspiele hatte unterstrichen, dass die Bevölkerung Themen wie Teamgeist, sympathisches Auftreten und Fairness mindestens ebenso hoch einschätzt wie Medaillengewinne. „Wir waren hervorragende Botschafter für unser Land. Ich bin sehr stolz auf die olympischen Momente, von denen uns das Team D einige beschert hat. Das mediale Interesse an den Spielen hat unterstrichen, dass es ein Stück weit unabhängig vom sportlichen Erfolg ist. Das Auftreten des Teams war sehr positiv. Am Ende benötigen wir beides: erfolgreiche und sympathische Athletinnen und Athleten“, sagte er.

Auch Platzierungen von vier bis acht sind Weltklasseleistungen

In einem zusätzlichen Bilanzgespräch mit den DOSB-Medien gab Olaf Tabor zu, dass die Rekordzahl von 14 vierten Plätzen bei ihm stark nachwirke. „Ich kann damit weiterhin nicht gut leben, weil ich weiß, dass wir unser Medaillenpotenzial nicht ausreichend abgerufen haben.“ Während die im Medaillenspiegel auf Rang eins und zwei platzierten Topnationen Norwegen und USA mehr als 50 Prozent ihrer Medaillenchancen auch tatsächlich in Edelmetall umsetzten, lag die Konversionsrate im Team D bei weniger als 30 Prozent. „Andere Länder machen es besser als wir. Wir haben leider noch keine Idee, wie wir es abstellen können. Die Fachverbände sind bereits tief in die Analyse eingestiegen, die noch bis in den Juni weitergehen wird, zudem erstellt auch das IAT eine umfangreiche Analyse.“ Gleichzeitig unterstrich er, dass auch das Erreichen der Plätze vier bis acht als Weltklasseleistung gelten müsse. „In der Gesamtzahl der Platzierungen von eins bis acht lagen wir in Norditalien bei 68. Da waren wir bislang nur 2018 in Pyeongchang mit 74 besser als diesmal.“ Außerdem zeige die Anzahl von gut 60 Prozent Olympia-Debütant*innen im Team D, dass es durchaus gelänge, den Nachwuchs an die größte Bühne heranzuführen.

Dazu komme, dass der Großteil der Medaillen mitnichten von der Generation 30 plus gewonnen wurde. „Wir hatten auch in der Altersgruppe 25 bis 29 einen deutlichen Peak. Deshalb widersprechen wir auch deutlich der These, die Medaillen seien im Wesentlichen von den älteren Athletinnen und Athleten im Team gewonnen worden“, sagte er. Fakt sei, dass einst sichere Medaillenlieferanten wie zum Beispiel der nordische Skibereich unter ihren Möglichkeiten geblieben seien. Die Krise im Eisschnelllauf und Shorttrack – der einzigen Disziplin, in der keine deutschen Teilnehmenden qualifiziert waren – sei ebenfalls besorgniserregend. „Dafür haben wir im Eiskanal weiterhin eine deutsche Domäne, die wir als wichtigen Trumpf pflegen müssen“, sagte der Vorstand Leistungssport mit Blick auf die 73 Prozent der deutschen Medaillen, die im Bob, Rodeln und Skeleton gewonnen wurden.

Die Diskussion darüber, ob die Stärke im Schlittensport Fluch oder Segen sei, werde in dieser Form nur in Deutschland geführt. „Meine Kollegen aus anderen Nationen verstehen nicht, warum daraus bei uns so ein Thema gemacht wird“, sagte Tabor, der darauf verwies, dass die meisten Topnationen über einen deutlichen Schwerpunkt in ihrer Erfolgsbilanz verfügen. „Die Niederlande als Dritter der Gesamtwertung haben alle ihre 20 Medaillen im Eisoval geholt. Norwegen hat 80 Prozent seiner Medaillen auf schmalen Ski gewonnen, Schweden 73 Prozent im Langlauf und Biathlon, die Schweiz zwei Drittel im alpinen Skibereich.“ Für ihn folge daraus, die Domäne im Eiskanal unbedingt bewahren zu wollen. „Sie ist die Grundlage für unsere Medaillenausbeute. Stärken stärken und durch weitere Erfolge ergänzen, das muss die Prämisse sein.“

David Kirchner, David Kulessa und Moritz Weiberg gewinnen VDS-Nachwuchspreis

Der diesjährige VDS-Nachwuchspreis, gestiftet vom Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), stand unter dem Thema „Schul- und Universitätssport in Deutschland - Chancen und Herausforderungen“. Gesucht wurden Beiträge, welche die aktuelle Lage, Herausforderungen, Chancen sowie Wege zur Motivation junger Menschen zu mehr Bewegung beleuchten. Beiträge konnten in verschiedenen Formaten (z. B. Artikel, Video, Blog oder Radio) eingereicht werden. Teilnehmen durften Nachwuchsjournalist*innen (Jahrgang 1998 oder jünger), einzeln oder in Gruppen, auch ohne VDS-Mitgliedschaft.

Bei der Preisverleihung, am Montag, 20. April, im Rahmen der VDS-Gala in Berlin, gab es zwei erste Plätze. Die Preisträger sind Moritz Weiberg (Video) sowie David Kulessa und David Kirchner (Print). Das Gesamtpreisgeld wird unter den beiden Gewinnern aufgeteilt.

Einprägsamer Blick auf eine unterschätzte Krise

David Kulessa und David Kirchner – „Sportunterricht in Bayern“ (Schwerpunktseite Süddeutsche Zeitung / 16.09.25)

David Kirchner und David Kulessa von der Süddeutschen Zeitung haben auf einer ganzen Seite das Thema "Schulsport" aufwendig beleuchtet. Dabei arbeiten sie durch den Einsatz verschiedener journalistischen Darstellungsformen gekonnt die Herausforderungen des Schulsports in der heutigen Zeit heraus, insbesondere durch einprägsame Schilderungen aus der Praxis. Dies gelingt besonders durch die gelungene Darstellung der verschiedenen Perspektiven - von der Sportlehrerin, über die Schüler hin zum Sportpädagogen. 

Alltagsnah und pointiert

Moritz Weiberg – „Problemfach Sport: Versetzung gefährdet?“ (u. a. ARD und BR / 08.05.25)

Moritz Weiberg hat die fünfköpfige Jury mit seinem Fernsehbeitrag zur schwierigen Situation des Schulsports überzeugt. Anschaulich und prägnant zeigt er zentrale Probleme wie marode Sportstätten und den zunehmenden Fachkräftemangel auf. Gelungen ist insbesondere die Zusammenführung vieler unterschiedlicher Stimmen aus der Praxis sowie die Einordnung anhand aktueller wissenschaftlicher Studien. Sein Beitrag verbindet sorgfältige Recherche mit klarer Erzählweise und macht so das Thema verständlich und wirkungsvoll sichtbar.

Die Lehre aus den Referenden: Deutschland will die Spiele

Passend dazu leuchtete die Hohenzollernbrücke, die den Rhein in Köln überspannt, in den Farben der olympischen Ringe. 

Knapp 700 Kilometer liegen zwischen Kiel und München. Zwischen Aachen und Berlin sind es gut 500 Kilometer. Egal, wo man dieser Tage nachfragt: Die Menschen im Land wollen Olympische und Paralympische Spiele. Die Ergebnisse der Referenden am vergangenen Sonntag unterstreichen diese Entwicklung. Die am Konzept KölnRheinRuhr beteiligten Kommunen stimmten mit 66,0 Prozent für eine Bewerbung, in Kiel waren es 63,5 Prozent Zustimmung. Bereits im Oktober 2025 hatte München ein positives Votum mit 66,4 Prozent Zustimmung abgegeben. Insgesamt haben inzwischen mehr als 1,2 Millionen Menschen bereits ihr „Ja“ zu Olympia und Paralympics in Deutschland gegeben, am 31. Mai sollen in Hamburg viele weitere positive Stimmen folgen. 

Auch in Berlin ist die Bürgerbeteiligung in vollem Gange. Am Dienstag wurde dem Senat eine Bürgercharta für Olympia übergeben. Sie ist das Ergebnis eines mehrstufigen Beteiligungsprozesses – bestehend aus verschiedenen Workshops, einer Kiez-Tour in allen Bezirken sowie einem Bürger- und Jugendforum. Das Dokument bündelt die vielfältigen Stimmen der Berliner Stadtgesellschaft zu zehn konkreten Handlungsempfehlungen für verantwortungsvolle, nachhaltige und gemeinsam gestaltete Olympische und Paralympische Spiele in Berlin. 

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Begeisterung für die Olympische Idee ist kein regional begrenztes Phänomen. Sie verbindet Menschen zwischen Rhein und Ruhr ebenso wie an der Ostsee, im Süden und bundesweit. Olympische und Paralympische Spiele sind die Bewegung, die Deutschland jetzt braucht. Eine Idee, die verfängt. Laut einer repräsentativen Umfrage von Dezember 2025 wünschen sich 74 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Olympische und Paralympische „Heimspiele“ in Deutschland. Damit zeigt sich eine breite gesellschaftliche Basis, die weit über einzelne Regionen hinausgeht. 

Diese Ergebnisse sind dabei mehr als reine Zustimmungswerte. Sie zeigen, dass Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland in der Lage sind, demokratische Mehrheiten hinter sich zu vereinen. Olympia kann den Sport wieder stärker in den Mittelpunkt der Gesellschaft rücken, Menschen aktivieren und Impulse setzen, die wirken. Mit Blick auf das anstehende Referendum in Hamburg am 31. Mai sowie den weiteren Beteiligungsprozess in Berlin wächst das Momentum weiter. Der Rückenwind für eine starke deutsche Bewerbung nimmt spürbar zu. Das internationale Interesse an einer deutschen Bewerbung ist durch die Ergebnisse aus NRW und Kiel sicher nicht geringer geworden. 

Deutschland will die Spiele. Sie sind die Bewegung, die das Land jetzt braucht.