Sportabzeichen in Sachsen: Deutliches Plus im Jahr 2025
DOSB: Wie bewertet ihr die Zahlen aus der Statistik 2025?
Johanna Moritz: Das Sportabzeichenjahr 2025 war in Sachsen zweifelsohne ein voller Erfolg. Wir sind stolz auf einen Zuwachs von rund 10,5 Prozent und damit knapp 2.000 zusätzliche abgelegte Sportabzeichen. Das ist eine bundesweit herausragende Entwicklung. Dieses Ergebnis zeigt das große Engagement aller Beteiligten in den Vereinen, Schulen sowie Kreis- und Stadtsportbünden und unterstreicht die hohe Bedeutung des Deutschen Sportabzeichens in Sachsen.
Worauf führt ihr die Steigerung der Zahlen zurück?
Die steigenden Teilnahmezahlen sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gemeinsamen Kraftanstrengung vieler engagierter Menschen. Ein besonderer Dank gilt den engagierten Ehrenamtlichen sowie den hauptamtlichen Mitarbeitenden in den Kreis- und Stadtsportbünden. Sie sorgen mit ihrem Einsatz dafür, dass das Deutsche Sportabzeichen vor Ort sichtbar bleibt und Menschen zum Mitmachen motiviert werden.
Die Beteiligung der Schulen hat deutlich zugenommen. Dies zeigt, wie wichtig die enge Zusammenarbeit zwischen dem organisierten Sport und den Bildungseinrichtungen ist. Die gewachsenen Teilnahmezahlen belegen, dass diese Vernetzung bei uns in Sachsen sehr gut funktioniert.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist der sachsenweite Sparkassen-Sportabzeichenwettbewerb, der viele Schulen, Vereine sowie Kreis- und Stadtsportbünde zu besonderen Leistungen anspornt. Wer sich das ganze Jahr mit großem Engagement für das Deutsche Sportabzeichen einsetzt, erhält dadurch öffentliche Wertschätzung. Diese Anerkennung wirkt motivierend und setzt vielerorts zusätzliche Kräfte frei.
Die Sportabzeichen-Zahlen in Sachsen zeigen: Wenn engagierte Menschen, Schulen und der organisierte Sport an einem Strang ziehen, kann viel bewegt werden.
Deutsches Sportabzeichen bringt 2025 noch mehr Menschen in Bewegung
Das Deutsche Sportabzeichen für Menschen mit und ohne Behinderungen bleibt auf Erfolgskurs: Im Jahr 2025 wurden bundesweit 577.570 Sportabzeichen verliehen. Das sind 27.202 mehr als im Vorjahr und entspricht einem Plus von fast fünf Prozent. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Das Deutsche Sportabzeichen ist ein wirksamer Motor für Bewegung, Gesundheit und Gemeinschaft – in der Schule, im Verein und vor Ort.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Mit 431.945 erfolgreichen Abnahmen verzeichnet diese Gruppe einen Zuwachs von 5,56 Prozent gegenüber 2024 und trägt damit maßgeblich zur positiven Gesamtentwicklung bei.
DOSB-Vorständin Michaela Röhrbein sagt: “Das Deutsche Sportabzeichen zeigt, wie wir Menschen über Generationen hinweg für Bewegung begeistern können. Die steigenden Zahlen bei Kindern und Jugendlichen sind ein starkes Signal – zugleich liegt eine große Chance darin, ältere Menschen noch stärker zu erreichen. Denn Bewegung kennt kein Alter: Sie stärkt Gesundheit, Selbstvertrauen, Teilhabe und Gemeinschaft. Genau damit zahlt das Sportabzeichen auf unsere Ziele 2035 ein: mehr Menschen in Bewegung bringen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport stärken.”
„Ich kann wirklich nur jedem ans Herz legen, sich ehrenamtlich zu engagieren“
DOSB: Julian, herzlichen Glückwunsch zu dieser besonderen Auszeichnung. Welchen Stellenwert hat ein solcher Preis verglichen mit Titeln oder Auszeichnungen, die du im Leistungssport schon gewinnen konntest?
Julian Köster: Natürlich möchte ich als Sportler Titel und Erfolge auf dem Spielfeld feiern. Trotzdem freue ich mich sehr über diese Auszeichnung und bin wirklich stolz darauf. Besonders wichtig ist mir aber, dass sie die Athletinnen und Athleten von Special Olympics Deutschland und Menschen mit geistiger Behinderung noch ein Stück sichtbarer macht. Es kennen noch immer zu wenig Menschen die Organisation und die großartige Arbeit, die dort geleistet wird.
Du kannst leider aus privaten Gründen nicht persönlich den Preis entgegennehmen. Wie geht es dir gesundheitlich?
Mir geht es gesundheitlich zum Glück wieder gut. Nach dem Verletzungsschock im April und der überstandenen Reha konnte ich schon wieder auf der Platte stehen und meine letzten Spiele für den VfL Gummersbach absolvieren (Julian wechselt nach dieser Saison zum THW Kiel, d. Red.). Leider kann ich nicht persönlich in Biebrich dabei sein, was ich sehr bedauere. Umso mehr freut es mich, dass mein Freund und Special-Olympics-Athlet Thomas Wendt vor Ort ist. Er hat mir schon zugesichert, dass er alles regeln wird. Das gibt mir ein gutes Gefühl.
Der Fair Play Preis des Deutschen Sports würdigt in jedem Jahr herausragende Aktionen, die für Mitmenschlichkeit stehen. Welche Szene aus deiner Karriere ist dir in Verbindung mit Fair Play am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?
Das Schöne ist, dass sowohl der Handball als auch der Sport bei Special Olympics sehr von Fair Play geprägt sind. Natürlich denke ich, wenn ich „Fair Play Preis“ höre, zuerst an Andi Wolff, der vor zwei Jahren ebenfalls damit ausgezeichnet wurde. Damals hatte er sich bei der WM 2023 in zwei Aktionen dafür eingesetzt, dass gegnerische Spieler nicht zu Unrecht mit Zeitstrafen belegt wurden. Aber eigentlich steht diese Haltung für den Handball insgesamt. Woche für Woche erlebt man solche Gesten – egal ob im Jugendbereich, bei den Amateuren oder im Profisport. Genau das erlebe ich auch bei Special Olympics. Natürlich wollen alle gewinnen und ihr Bestes geben. Aber gleichzeitig stehen Respekt, Miteinander und gegenseitige Unterstützung immer im Vordergrund. Das macht für mich Fair Play aus.
Handball gilt als extrem harter, aber trotzdem sehr fairer Sport. Warum gelingt im Handball dieser Spagat anscheinend besser als anderswo?
Weil diese Werte von Anfang an vorgelebt werden. Es spielt keine Rolle, ob man mit Freunden in der Halle steht oder ein Champions-League-Finale spielt. Respekt vor dem Gegner und den Schiedsrichtern gehören im Handball einfach dazu. Dass das so ist, ist leider nicht selbstverständlich. Schön wäre es natürlich, wenn das in allen Sportarten und auch im Alltag gelebt werden würde.
Den Sonderpreis erhältst du für dein langjähriges Engagement für Special Olympics Deutschland. Wie kam es dazu, dass du dich für diese tolle Organisation einsetzt?
Begonnen hat alles mit einem Fotoshooting für die Landesspiele 2024 von Special Olympics NRW in Münster. Kurz zuvor hatte ich die Special Olympics World Games 2023 in Berlin verfolgt. Darüber wurde damals sehr viel berichtet. Ehrlicherweise muss ich aber sagen, dass ich vorher kaum Berührungspunkte mit Special Olympics hatte. Die Bilder und Geschichten haben mich beeindruckt. Kurz darauf wurde ich zu einer Veranstaltung eingeladen. Damals hat es terminlich leider nicht gepasst, aber nach den Gesprächen mit Verantwortlichen von Special Olympics war für mich klar, dass ich das unbedingt selbst erleben möchte. Bei den Landesspielen in Münster war ich dann einen Tag vor Ort und sofort begeistert – von der Atmosphäre, den Emotionen und Leistungen der Athletinnen und Athleten und der Freude, die überall zu spüren war. Dort habe ich auch mein erstes inklusives Handballtraining geleitet. Ich war vorher ehrlich gesagt nervös, weil ich nicht wusste, was mich erwartet. Aber die Sportlerinnen und Sportler haben mich direkt aufgenommen, als würde ich schon lange dazugehören. Dieses Gefühl hat mich nachhaltig beeindruckt. Seitdem freue ich mich über jedes Special-Olympics-Event, bei dem ich dabei sein darf.


