Fünf Learnings aus dem Dialogforum Sportentwicklung 2026
Ein voller Hörsaal, konzentrierte Diskussionen und spürbare Aufbruchstimmung: Auf dem Dialogforum Sportentwicklung kamen am 18. März im Campus Westend der Frankfurter Goethe-Uni knapp 500 Menschen aus Vereinen, Verbänden und Politik zusammen, um die Zukunft des organisierten Sports nicht nur zu diskutieren, sondern gemeinsam weiterzudenken. Unter dem Motto „Weil ihr es seid - Sport. Verein. Stärken.“ wurde sehr greifbar, wie groß der Wille ist, Verantwortung zu übernehmen, Perspektiven zu weiten und Veränderung aktiv zu gestalten. Die Breite der Themen - von barrierefreien Sportstätten über Ehrenamt, Physical Literacy und Vielfalt bis zur Zielstruktur 2035 und zum Breitensport der Zukunft - hat gezeigt, wie umfassend Sportentwicklung heute verstanden werden muss.
1. Mittelknappheit ist real - und sie verlangt klügere Strukturen
Die finanzielle Lage bleibt angespannt. Aber das Dialogforum hat sehr klar gezeigt: Nicht allein die Höhe der Mittel entscheidet, sondern auch ob sie klug, wirksam und zukunftsgerichtet eingesetzt werden. Weniger Bürokratie, smarter genutzte Sportstätten, digitale Verwaltungsstrukturen und Investitionen dort, wo viele Menschen erreicht werden, sind zentrale Hebel. Knappheit darf den Sport nicht kleiner machen - sie muss ihn innovativer, kooperativer und strategischer machen.
2. Ziele sind dann stark, wenn sie Bewegung auslösen
Die DOSB-Ziele 2035 waren auf dem Dialogforum nicht bloß Folie oder Fernziel, sondern gemeinsamer Arbeitsauftrag. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie geben Richtung, schaffen Handlungsklarheit, machen Fortschritt messbar und bündeln Energie für den Weg nach vorn. Entscheidend ist nicht, dass von Beginn an alles perfekt ist. Entscheidend ist, dass wir loslaufen, Verantwortung übernehmen und Wirkung Schritt für Schritt sichtbar machen.
Fachforen Sportentwicklung – einen Blick auf den Sport der Zukunft
„Bei politischen Entscheidungen und Maßnahmen zur Bewegungsförderung ist dringend der organisierte Sport als größter Bewegungsanbieter mitzudenken.“ So eröffnete Dr. Mischa Kläber, Leiter des Ressorts Breiten- und Gesundheitssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), eines der sieben Fachforen, die im Rahmen des 2. Dialogforums Sportentwicklung in den Gebäuden des Campus Westend der Goethe-Universität in Frankfurt am Main stattfanden.
Weit mehr als 300 Personen kamen auf Einladung des DOSB am Donnerstagmorgen im Plenargebäude zusammen. Die Fachforen zu den Themen Bildung, Breiten- und Gesundheitssport, Ehrenamt, Geschlechtergleichstellung, Inklusion, Integration und Sportstätten starteten um 9.00 Uhr mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Bestandsaufnahmen.
„Der DOSB wird oft als der deutsche Arm des IOC wahrgenommen“
Seit sie während der Wendejahre 1989/90 ihr Volontariat beim Münchner Merkur absolvierte, ist Elisabeth Schlammerl, die in Journalistenkreisen nur Elli genannt wird, im Sportjournalismus unterwegs. Zunächst gut zehn Jahre als Redakteurin beim Merkur, anschließend viele Jahre als feste freie Reporterin für die FAZ und andere Medien, beschäftigte sich die 63-Jährige neben Fußball und Wintersport auch gern mit internationalen Multisport-Events. Seit 2017 ist die Münchnerin, die als Co-Autorin mehrere Sportbiografien schrieb, auch im Präsidium des Verbands Deutscher Sportjournalisten (VDS) tätig, aktuell als 1. Vizepräsidentin. Für unsere Serie „20 Jahre DOSB“, die bis zum Jubiläum am 20. Mai wöchentlich Themen aus dem Kosmos des Dachverbands des deutschen Sports beleuchtet, nimmt sie gewohnt kritisch und dennoch wohlwollend den Werdegang des DOSB unter die Lupe.
DOSB: Elli, kannst du dich daran erinnern, wann du das erste Mal bewusst beruflich mit Sportpolitik in Berührung gekommen bist?
Elisabeth Schlammerl: Oh, das muss zu Beginn meiner FAZ-Zeit Anfang der 2000er-Jahre gewesen sein. Damals hatte ich ein Interview mit Manfred von Richthofen, dem letzten Präsident des Deutschen Sportbundes vor der Fusion mit dem Nationalen Olympischen Komitee zum DOSB. Ich hatte mich bis dahin aber nicht wirklich mit den Institutionen in der deutschen Sportpolitik beschäftigt. An das Gespräch habe ich keine lebhaften Erinnerungen mehr, aber es ging sicher um die Fusion, die damals Manfred von Richthofen ja forcierte.
Die Fusion, die du ansprichst, war im Mai 2006. Welche Erinnerungen hast du daran?
Ich weiß noch, dass viel darüber diskutiert wurde, ob die Entscheidung der Zusammenlegung richtig ist. Aber auch in der Zeit hatte ich nicht allzu viel mit Sportpolitik zu tun, dafür gab und gibt es bei der FAZ Fachleute. Mein Kontakt zum DOSB intensivierte sich erst, als Alfons Hörmann Präsident wurde. Ihn kannte ich aus dem Deutschen Skiverband, dadurch hatten wir eine Verbindung. Und spätestens seit meinem Einstieg in das VDS-Präsidium habe ich viel mit dem DOSB zu tun.
Wie hat sich deine Wahrnehmung des Dachverbands des deutschen Sports verändert? Wofür steht der DOSB in deinen Augen, was sind unsere wichtigsten Aufgaben?
Ganz eindeutig, sich als Gegenpol zur Politik um die Förderung des Leistungs- und Breitensports zu kümmern. Ich glaube, das müsste der DOSB oftmals noch deutlicher tun, als er es macht. Durch meine Arbeit im VDS habe ich allerdings mehr Einblicke hinter die Kulissen und kann auch ein bisschen verstehen, dass das nicht immer ganz einfach ist. Man ist als Verband eben abhängig vom Geldgeber, da kann man vielleicht nicht immer so agieren, wie man es sollte.
Wo, deinem Eindruck nach, tut der DOSB das nicht?
Der DOSB müsste sich stärker für seine Athletinnen und Athleten einsetzen. In den vergangenen Monaten gab es einige Vorfälle - ich erinnere da ans Turnen, den Modernen Fünfkampf oder jetzt an Eisschnelllauf und Skibergsteigen -, bei denen ich mir ein klareres Eingreifen des DOSB gewünscht hätte. Mir ist bewusst, dass es die Verbandsautonomie gibt, aber der Eindruck, dass die Sportlerinnen und Sportler manchmal allein gelassen werden, ist nicht zu leugnen. Außerdem müsste es in der Sportförderung deutlich schneller vorangehen. Es wird schon so lange über ein Sportfördergesetz diskutiert, dass man kaum noch glaubt, dass es wirklich kommt. Dass wir es brauchen, zeigen die zunehmend ausbleibenden Erfolge bei Olympischen Spielen. Und da wäre eine sichtbarere Führung durch den Dachverband sicherlich hilfreich.
Wie beurteilst du aus Sicht einer Journalistin den kommunikativen Auftritt des DOSB?
Grundsätzlich als durchaus gut. Während der Olympischen Spiele macht ihr manchmal schon zu viel. Ich bin aber der Meinung, dass es insbesondere nach den Spielen gern etwas offensiver sein könnte, da habe ich manchmal den Eindruck, dass der DOSB etwas abtaucht. Man soll die Menschen auch nicht nerven, aber etwas mehr Sichtbarkeit abseits der Großereignisse könnte nicht schaden.
