Grüner Weg 1, 27793 Wildeshausen

Ein Sportabzeichen-Veteran und eine, die es noch werden will

Das Deutsche Sportabzeichen ist das offizielle Ehrenzeichen des organisierten Sports in Deutschland - und eine ganz besondere Auszeichnung für alle, die ihre körperliche Fitness unter Beweis stellen möchten. Die Teilnahme ist offen für alle - egal ob jung oder alt, Einsteiger*in oder Sportskanone!

Stillstand ist nicht erlaubt

Es ist alles genauestens dokumentiert. Jede einzelne Original-Urkunde ist sorgfältig abgelegt und zusätzlich auf dem Computer im Arbeitszimmer eingescannt. Fotos, Videos, Dokumente - alles erfasst. Über 70 Jahre Sportgeschichte sind dort verwahrt.

Dabei ist Bodo Schöngarth, laut eigener Aussage, nie ein Leistungssportler gewesen. ABER ein Sportler aus Leidenschaft. In diesem Jahr hat er sein 70. Deutsches Sportabzeichen abgelegt - seit 1956 jährlich in Folge. In Hamburg ist er der Einzige, in ganz Deutschland verteilt gibt es gerade einmal neun Personen, die diese Zahl geschafft haben. Der deutsche Rekord steht bisher bei 72.

Ein Blick zurück: Bodo Schöngarth wurde 1937 in der Welt-Erbestadt Quedlingburg geboren. Als Kriegsflüchtling fand er in Hannover eine neue Heimat. „Damals war ich noch lang und ohne Muskeln, also schickte mein Vater mich in den Turnverein“. Fortan wurde Tischtennis und Volleyball gespielt, geschwommen und geturnt. Besonders der freistehende Handstand hatte es ihm angetan. Den macht er noch bis heute - natürlich genauestens dokumentiert.

1956 dann das 1. Deutsche Sportabzeichen mit 19 Jahren. Zugegeben, die Umstände waren etwas ungewöhnlich: „Ich hatte einen dummen Streit mit meinem Vater“, erinnert sich Schöngarth, „meine Mutter riet mir, das Sportabzeichen zu machen“ - dann sei wieder alles gut. Scheint geholfen zu haben, denn seitdem ist er dabeigeblieben. Unterschiedliche berufliche Tätigkeiten in verschiedenen Orten und Städten waren kein Grund das Sportabzeichen NICHT zu machen. Schnee und Kälte waren kein Hindernis und Corona schon gar nicht.

Es durfte zwar geschwommen werden, aber wie sollte das mit den anderen Disziplinen ablaufen? Ganz einfach. Während des Lockdowns wurde dafür im Gästezimmer eine Standsprunganlage aufgebaut. Ein Brett, dahinter Matratzen, die erforderten 1,35 Meter abgesteckt, Videokamera an - Sprung, natürlich weiter als die geforderte Weite - und fertig. Das Seilspringen wurde ebenfalls filmisch festgehalten. Für jemanden, der mit 80 Jahren noch 80 Seilsprünge macht, ist das eine Kleinigkeit. Bodo Schöngarth ist nicht nur sportlich, sondern auch kreativ. Ach ja, für Freunde und Bekannte wurde dann auch gleich ein 18-minütiges Video mit gymnastischen Übungen unter dem Motto: „Gymnastik mit Bodo“ erstellt. Stillstand ist nun mal nicht erlaubt.

Und jetzt das! Eigentlich würde er auch in diesem Sommer, mit 88 Jahren, lieber auf dem Sportplatz stehen. Zurzeit macht aber das Knie nicht mit. Meniskusriss - vielleicht droht sogar eine Operation. „Nach 70 Mal Sportabzeichen darf auch mal Schluss sein“, sagt Bodo Schöngarth tapfer. Aber man merkt, so richtig abfinden möchte er sich damit nicht. Und dann kommt auch gleich das Hintertürchen: „Ab 90 Jahre gibt es andere Anforderungen für das Sportabzeichen, vielleicht kann ich es dann ja doch nochmal probieren.“ Um dann den deutschen Rekord zu knacken!

Natürlich in Gold

Angefangen hat alles am westlichen Rand Hamburgs im Stadtteil Rissen. Das war 2008. An der Grundschule Iserbarg gab es ein Sportfest, wo die Kinder auch das Kindersportabzeichen ablegen konnten. Mirja Thal, damals gerade mal 6 Jahre alt, war dabei. Die Lust auf Leichtathletik war gezündet und der Weg in den Rissener Sport Verein kurz. Dort entdeckte Mirja die Liebe zum Laufen. Zunächst 1 Mal in der Woche, da war es noch kein Problem jedes Jahr das Sportabzeichen abzulegen. Der prüfberechtigte Trainer integrierten das Laufen, Springen, Werfen gleich in das Team-Training.

Dann kam der Leistungssport dazwischen: Die bevorzugte Mittelstrecke forderte 6 bis 7 Mal in der Woche Anwesenheit auf dem Sportplatz. Platz für das Deutsche Sportabzeichen blieb da irgendwie nicht. Bis 2020 lief Mirja Kilometer um Kilometer im Stadion, in der Halle und auf der Straße. Irgendwann war Schluss: „Ich hatte keine Lust mehr und mir fehlte die Motivation“, begründet Mirja den Abschied vom Leistungssport. Das Lehramtsstudium forderte ebenfalls sein Recht.

Die Begeisterung für den Sport aber blieb - nicht nur körperlich, sondern auch außerhalb der Laufschuhe - im Ehrenamt. Als Jugendwartin im Hamburger Leichtathletik Verband wurde ihr zusammen mit Teammitgliedern des Jugendausschusses vor kurzem der HAFEN-Preis verliehen - eine Auszeichnung der Hamburger Sportjugend, die jährlich an junge Menschen im Alter von 14 bis 26 Jahren für ihr besonderes Engagement in Hamburger Sportvereinen vergeben wird

Und sportpraktisch sind da ja auch noch Fußball, Volleyball, Tennis und… „irgendwie habe ich wieder Lust gehabt, was ich mal vor längerer Zeit jedes Jahr gemacht habe“, richtig - das Deutsche Sportabzeichen!

Seit 2020 ist die jetzige Referendarin wieder dabei. Als Erwachsene (ab 18 Jahre) hat sie bereits 5 Mal die Urkunde bekommen. „Wenn ich es zeitlich und körperlich hinbekomme, will ich es jedes Jahr ablegen“, und da schlummert immer noch die Leistungssportlerin in ihr, „natürlich in Gold.“

Jedes Jahr ehrt der Hamburger Sportbund Sportlerinnen und Sportler, die das Sportabzeichen mindestens 25 Mal abgelegt haben. Das wäre dann 2045. Um den Hamburger Rekord zu knacken, sozusagen als Nachfolgerin von Bodo Schöngarth, braucht es jetzt noch schlappe 65 Jahre.

 

Basketball Boom in Deutschland

Am Mittwoch (27. August) startet die Basketball-Europameisterschaft der Herren. Gespielt wird in vier Gruppen Lettland (Riga), Finnland (Tampere), Zypern (Limassol) und Polen (Katowice). Das Finale ist am 14. September in Riga.

Deutschland spielt in einer Gruppe mit Finnland, dem Vereinigten Königreich, Litauen, Schweden und Montenegro.

Das Turnier ist die nächste Chance für den deutschen Profi-Basketball, seine Erfolgsserie fortzusetzen: Dritter Platz bei der Heim-EM 2022. Weltmeister 2023. Vierter Platz bei den Olympischen Spielen Paris 2024 und Kapitän Dennis Schröder als Fahnenträger des Team Deutschland.

Dazu Olympiasiegerinnen im 3x3 Basketball und zuletzt ein starker fünfter Platz bei der Women’s EuroBasket 2025.

Es läuft gut im Basketball hierzulande. Und das merken auch die Vereine.

Volker Bernardi verstorben

Das Ressort Internationales nimmt Anteil am Tod von Volker Bernardi, der über zwei Jahrzehnte in verschiedenen verantwortungsvollen Positionen insbesondere den nicht-olympischen Sport mitgestaltete. Seine Laufbahn in der Sportadministration prägten die Jahre als Generalsekretär des Deutschen Squash-Verbandes. Im Anschluss daran fokussierte er sich auf die internationale Arbeit - als Generalsekretär der World Flying Disc Federation, im Präsidium der International Federation Icestocksport und in zahlreichen weiteren Positionen und Organisationen, in die er sich intensiv einbrachte.

Seit 2018 und bis zu seinem Tod war Bernardi Mitglied der Exekutive der International World Games Association (IWGA). Wir werden Volker Bernardi ein ehrendes Andenken bewahren.