Präzise Würfe mit fliegender Scheibe

Amelie Hoffmann brachte ihre Leidenschaft mit nach Wildeshausen. Sie erklärt, wie aus amerikanischen Sportarten etwas völlig Neues entstand.

WILDESHAUSEN Anrempeln, tackeln, schubsen und unfaire Angriffe – wer so etwas beim Ultimate Frisbee erwartet, der ist an der falschen Adresse. Die etwas abgefahren klingende Sportart hat Amelie Hoffmann vor rund zwei Jahren aus Hamburg mitgebracht. Im Hochschulprogramm wurde die Sportart angeboten. Drei Jahre lang spielte die 29-Jährige dann im Verein „Fischkutter“, lernte Spielregeln und Taktiken. Durch sie lernten auch Kira Brünger und Sebastian Gerding das Spiel kennen, das mittlerweile beim Sport-Club Wildeshausen angesiedelt ist.

Ultimate Frisbee ist eine interessante Mischung aus American Football, Basketball und – wer hätte es vermutet – Frisbee. „Es ist ein Endzonenspiel, wie beim Football“, erklärt Hoffmann. So versucht eine Mannschaft, bestehend aus fünf bis 15 Spielern, die kleine Scheibe in der Endzone des gegnerischen Teams am Ende des Feldes zu fangen und somit einen Punkt zu bekommen. Vom Basketball wurde der Sternschritt abgeschaut. Denn wenn ein Spieler die Scheibe in der Hand hält, darf er nur einen Sternschritt machen und nicht laufen. Erst wenn die Scheibe geworfen wurde, darf der Spieler sich frei bewegen (weitere Regeln siehe Infokasten).

Im Gegensatz zum Football ist Ultimate Frisbee jedoch ein kontaktarmer Sport. „Spirit of the Game (,Geist des Spiels’) ist der Schlüssel“, sagt die 28-jährige Brünger. Das bedeutet, mehr als alles andere steht die Fairness im Vordergrund. Es geht um den Spaß am Spiel. Und deshalb gibt es auch keinen Schiedsrichter. „Ich glaube, das ist etwas Einzigartiges“, sagt Brünger. Sie ist begeistert vom Ultimate Frisbee, weil es nicht nur um das Gewinnen geht. „Wir sprinten und springen wahnsinnig viel, um die Scheibe zu fangen. Beim Wurftraining geht es wiederum um die Feinheiten. Das macht den Sport für mich interessant“, sagt die 28-Jährige.

Entstanden ist Ultimate Frisbee in den 1960er Jahren an einer US-amerikanischen Universität. Bereits 20 Jahre später gab es die ersten Weltmeisterschaften. Nichtsdestotrotz ist es aber nach wie vor eine eher unbekannte Randsportart geblieben. Allerdings gibt es mittlerweile sogar Teams in Oldenburg, Bremen und Osnabrück.

 Sebastian Gerding, Amelie Hoffmann und Kira Brünger spielen gemeinsam Ultimate Frisbee (SC Wildeshausen) BILD: Chelsy Haß

SO FUNKTIONIERT ULTIMATE FRISBEE

Das Spielfeld darf dem verfügbaren Platz und der Spielerzahl angepasst werden. An jeder Stirnseite gibt es eine Endzone.

Ziel des Spiels ist es, die von einem Mitspieler geworfene Frisbeescheibe in der gegnerischen Endzone zu fangen, wofür die Mannschaft des Fängers einen Punkt erhält.

Die angreifende Mannschaft versucht, sich Freiräume zu erlaufen. Die verteidigende Mannschaft versucht, durch Decken und Blocken in Scheibenbesitz zu gelangen.

Nachdem ein Punkt erzielt wurde oder die Scheibe den Boden berührt, gibt es einen Wechsel der Spielrichtung (Turnover). Dabei wird die angreifende Mannschaft sofort zur verteidigenden Mannschaft und umgekehrt.

Jede Körperberührung wird als Foul gewertet, solange sie nicht beiläufig geschieht. 

Ein Spiel endet, wenn eine Mannschaft 15 Punkte erreicht hat. Dazu gibt es ein Zeitlimit von 100 Minuten. 

Die Wildeshauser Mannschaft besteht auch nach zwei Jahren immer noch aus lediglich drei Spielern. „Wir trainieren trotzdem einmal die Woche, üben Taktiken, Würfe, Abwehr und Angriff. Zu dritt kann man aber wenig ausrichten“, weiß auch Amelie Hoffmann. Bei ihrem ehemaligen Verein in Hamburg nahm sie auch an Turnieren teil und sammelte Spielerfahrung.

Sie wünscht sich, dass sich in Zukunft mehr Wildeshauser für Ultimate Frisbee begeistern können. „Im Sommer, wenn wir draußen gespielt haben, konnten wir einige davon überzeugen, und es hat ihnen wirklich viel Spaß gemacht“, sagt die 29-Jährige. Allerdings hätten viele junge Leute bereits früh „ihre“ Sportart gefunden oder würden den Landkreis für ein Studium oder eine Ausbildung verlassen.

Im Winter findet das Training in der Sporthalle der Wallschule, Im Hagen 4, statt. Im Sommer geht es mit der Frisbeescheibe nach draußen auf den Rasenplatz am Gymnasium, Humboldtstraße 3. Trainiert wird sonntags von 15.30 bis 17.30 Uhr.

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